Thessaloniki entdecken: Weißer Turm, Byzanz und Bougatsa
Reiseführer · redaktionellThessaloniki ist Griechenlands zweitgrößte Stadt und vielleicht seine genussvollste: Eine lange Uferpromenade, römische Ruinen zwischen Wohnblocks und eine Küche, die von Byzanz, Osmanen und sephardischen Juden geprägt ist. Die Stadt ist jung, voller Studenten und weit entspannter als Athen. Eine Städtereise nach Thessaloniki verbindet Geschichte, Meer und lange Abende in Tavernen.
Eine Stadt der Kulturen
315 v. Chr. gründete der makedonische König Kassander die Stadt und benannte sie nach seiner Frau Thessalonike, einer Halbschwester Alexanders des Großen. Unter den Römern lag sie an der Via Egnatia, unter Byzanz war sie die zweitwichtigste Stadt des Reiches nach Konstantinopel. Nach der osmanischen Eroberung 1430 wurde Thessaloniki zu einer der größten jüdischen Städte der Welt, nachdem sich hier aus Spanien vertriebene Sepharden angesiedelt hatten; die jüdische Gemeinde wurde im Holocaust fast vollständig ermordet. 1881 wurde hier Mustafa Kemal Atatürk geboren, 1912 kam die Stadt zu Griechenland, und 1917 zerstörte ein Großbrand weite Teile des Zentrums.
Sehenswürdigkeiten in Thessaloniki
Der Weiße Turm an der Uferpromenade, einst Teil der osmanischen Befestigung und Gefängnis, ist das Wahrzeichen der Stadt und beherbergt ein Stadtmuseum. Die Promenade Nea Paralia zieht sich kilometerweit am Meer entlang, mit Skulpturen wie den „Regenschirmen“ von Giorgos Zongolopoulos. Die Rotunde, ursprünglich als Mausoleum für Kaiser Galerius gebaut und später Kirche und Moschee, steht neben dem Galeriusbogen mit Reliefs römischer Schlachten im Viertel Kamara. Die Kirchen Agios Dimitrios und Agia Sofia mit byzantinischen Mosaiken gehören zum UNESCO-Welterbe. Die Ano Poli, die Oberstadt mit Holzhäusern und Gassen, endet an den byzantinischen Stadtmauern und der Festung Eptapyrgio, von der man über die Stadt und den Golf bis zum Olymp blickt. Das Archäologische Museum und das Museum für byzantinische Kultur gehören zu den besten Griechenlands.
Essen in Thessaloniki
Thessaloniki gilt als kulinarische Hauptstadt Griechenlands und wurde von der UNESCO als Stadt der Gastronomie ausgezeichnet. Zum Frühstück gibt es Bougatsa, Blätterteig mit Grießcreme oder Käse, und Koulouri, Sesamkringel. Die Märkte Modiano und Kapani sind voller Oliven, Gewürze und Fisch. In den Ouzeri des Viertels Ladadika, einst Lager für Öl und heute Ausgehviertel, isst man Meze, Muscheln und gegrillte Sardinen. Zum Nachtisch gehört Trigona Panoramatos, mit Creme gefülltes Blätterteiggebäck. Das Nachtleben in Ladadika und rund um den Aristotelous-Platz ist dank der Studenten lebhaft.
Festivals und Stadtleben
Im November ist das Internationale Filmfestival von Thessaloniki eines der wichtigsten in Südosteuropa, im September lockt die Internationale Messe Besucher aus der ganzen Region. Rund um den Aristotelous-Platz, entworfen nach dem großen Brand, und die Fußgängerstraße Agias Sofias spielt sich das Alltagsleben ab. Zum Sonnenuntergang spazieren die Thessaloniker an der Promenade, während der Blick über den Golf zum Olymp reicht.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Makedonia (SKG) liegt rund 15 Kilometer südöstlich, Busse fahren ins Zentrum. Nach jahrzehntelanger Bauzeit, verzögert durch archäologische Funde, wurde Ende 2024 die Metro eröffnet; einige Stationen zeigen die Ausgrabungen. Beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Ausflüge führen auf die Halbinsel Chalkidiki mit Stränden, nach Vergina zu den Königsgräbern Makedoniens oder zum Olymp, dem höchsten Berg Griechenlands.









