Paris entdecken: Seine, Arrondissements und Bistros
Reiseführer · redaktionellMan kann Paris zehnmal besuchen und jedes Mal eine andere Stadt finden – die der großen Museen, die der Marktstraßen, die der Hinterhöfe im Marais oder die der Treppen von Montmartre. Eine Städtereise nach Paris folgt meist zuerst den Postkartenmotiven, doch der eigentliche Reiz liegt in den zwanzig Arrondissements, die sich wie eine Schnecke um die Île de la Cité winden. Ob verlängertes Wochenende oder längerer Paris Urlaub: Hier lohnt jede Stunde zu Fuß.
Von Lutetia zur Hauptstadt der Moderne
Auf der Seine-Insel Île de la Cité siedelte der keltische Stamm der Parisii, die Römer gründeten daneben Lutetia; ihre Arena und Thermen sind im Quartier Latin noch erhalten. Im Mittelalter entstanden Notre-Dame und die Sainte-Chapelle, unter den Königen der Louvre und schließlich Versailles vor den Toren der Stadt. Die Revolution von 1789 begann mit dem Sturm auf die Bastille. Das Paris, das Besucher heute vor Augen haben, ist weitgehend das Werk des Präfekten Haussmann, der ab 1853 breite Boulevards durch die mittelalterlichen Gassen schlagen und einheitliche Wohnhäuser mit Zinkdächern bauen ließ. Weltausstellungen hinterließen den Eiffelturm und das Grand Palais, und in den Ateliers von Montmartre und Montparnasse entstand die moderne Kunst. 2024 richtete Paris zum dritten Mal Olympische Spiele aus und nutzte sie, um die Seine sauberer und die Stadt grüner zu machen.
Sehenswürdigkeiten in Paris
Der Eiffelturm ist natürlich Pflicht, am schönsten aber vom Trocadéro oder vom Marsfeld aus betrachtet, wenn er zur vollen Stunde nach Einbruch der Dunkelheit funkelt. Notre-Dame wurde nach dem verheerenden Brand von 2019 restauriert und Ende 2024 wiedereröffnet – heller als je zuvor. Gleich nebenan leuchten in der Sainte-Chapelle fünfzehn Meter hohe Glasfenster aus dem 13. Jahrhundert. Die Achse vom Louvre über die Tuilerien, die Place de la Concorde und die Champs-Élysées bis zum Arc de Triomphe, im 8. Arrondissement, zeigt Paris als Bühne der Macht. Auf dem Montmartre-Hügel im 18. thront die weiße Basilika Sacré-Cœur, darunter liegen der Künstlerplatz Place du Tertre und, am Fuß des Hügels, das Moulin Rouge. Der Friedhof Père-Lachaise mit den Gräbern von Chopin, Édith Piaf und Jim Morrison ist zugleich ein melancholischer Park.
Museen und Kultur
Der Louvre im 1. Arrondissement ist das meistbesuchte Museum der Welt, und wer die Mona Lisa sehen möchte, sollte ein Zeitfenster buchen. Das Musée d'Orsay in einem ehemaligen Bahnhof versammelt die Impressionisten von Monet bis Van Gogh, das Musée de l'Orangerie Monets riesige Seerosenbilder. Das Centre Pompidou, das sein bunt verrohrtes Gebäude für eine mehrjährige Renovierung bis voraussichtlich 2030 geschlossen hat, zeigt Teile seiner Sammlung andernorts. Kleinere Häuser wie das Musée Rodin mit Skulpturengarten, das Musée Picasso im Marais oder die Fondation Louis Vuitton im Bois de Boulogne sind oft entspannter. Abends locken die Opéra Garnier, Jazzkeller im Quartier Latin und die Kinos, denn kaum eine Stadt liebt das Kino so sehr wie Paris.
Viertel und Arrondissements
Das Marais im 3. und 4. Arrondissement verbindet Adelspaläste, die Place des Vosges, jüdische Bäckereien und Boutiquen. Saint-Germain-des-Prés im 6. ist das Viertel der Literatencafés, das Quartier Latin im 5. das der Studenten und Buchläden. Im 2. Arrondissement verstecken sich überdachte Passagen aus dem 19. Jahrhundert wie die Galerie Vivienne. Das 11. rund um Oberkampf und den Canal Saint-Martin im 10. sind bei jungen Parisern beliebt, Belleville im 19. und 20. ist multikulturell und hat einen der schönsten Ausblicke über die Stadt. Im 13. Arrondissement liegt das größte asiatische Viertel Europas, im 14. Montparnasse mit seinem Turm und den Katakomben, in denen die Gebeine von Millionen Parisern ruhen. Das 16. mit seinen Jugendstilbauten wirkt bürgerlich und ruhig, und im 12. lockt die Promenade plantée, ein begrünter ehemaliger Bahnviadukt, zum Spaziergang.
Essen in Paris: Bistro, Boulangerie und Markt
Die Restaurants in Paris reichen vom Sternerestaurant bis zum Bistro an der Ecke, wo das Mittagsmenü aus Entrecôte mit Frites oder Bœuf bourguignon oft erstaunlich günstig ist. Morgens holt man ein Croissant und eine Baguette in der Boulangerie, mittags vielleicht eine Galette in einer bretonischen Crêperie in Montparnasse. Märkte wie die Rue Mouffetard, der Marché des Enfants Rouges, der älteste überdachte Markt der Stadt, oder der Marché d'Aligre im 12. Arrondissement sind ideal, um Käse, Wein und Obst für ein Picknick am Seineufer zu kaufen. Zum Nachtisch gehören Macarons, Éclairs oder ein Eis auf der Île Saint-Louis. In Bars und Weinbars wird zur „apéro“-Stunde aus einem Glas Wein schnell ein ganzer Abend.
Parks, Seineufer und Nachtleben
Zwischen den Sehenswürdigkeiten braucht man Pausen, und Paris hat dafür seine Gärten: den Jardin du Luxembourg mit den grünen Metallstühlen rund um das Wasserbecken, die Tuilerien, den hügeligen Parc des Buttes-Chaumont im 19. Arrondissement. Die Seineufer sind auf langen Abschnitten für Autos gesperrt und an Sommerabenden ein einziger Treffpunkt, während im Juli und August Paris Plages Sand und Liegestühle an den Fluss bringt. Nachts zieht es junge Leute nach Pigalle und SoPi, rund um Oberkampf und Bastille, in die Bars am Canal Saint-Martin oder zu den Clubs in umgebauten Industriehallen an der Peripherie.
Unterwegs in Paris und beste Reisezeit
Vom Flughafen Charles de Gaulle (CDG) fährt der RER B in rund 35 Minuten ins Zentrum, von Orly (ORY) die Metro-Linie 14. Fernzüge kommen an sechs großen Kopfbahnhöfen an, der Gare de l'Est verbindet Paris per TGV mit Stuttgart und Frankfurt, der Gare du Nord mit Brüssel, Köln und London. In der Stadt ist die Metro unschlagbar schnell, doch die schönsten Wege legt man zu Fuß oder mit dem Leihrad Vélib' zurück, wobei viele neue Radwege entstanden sind. Beste Reisezeit sind Frühling und Herbst; im August sind viele Pariser im Urlaub, kleinere Läden geschlossen. Ausflüge führen nach Versailles, nach Giverny zu Monets Garten oder zum Schloss Fontainebleau.
















