Mannheim entdecken: Quadrate, Barockschloss und Musik
Reiseführer · redaktionellStatt Straßennamen tragen die Blöcke der Mannheimer Innenstadt Buchstaben und Zahlen: Adressen wie „Q 6“ oder „P 7“ sind ein Erbe der barocken Planstadt. Mannheim, am Zusammenfluss von Rhein und Neckar, besitzt eines der größten Barockschlösser Europas, eine lebendige Musikszene und eine bunte Bevölkerung. Eine Reise nach Mannheim führt in eine Stadt, die ehrlicher und vielfältiger ist, als ihr Ruf es erwarten lässt.
Die Quadratestadt
1606 ließ Kurfürst Friedrich IV. von der Pfalz eine Festung und eine Stadt mit rechtwinkligem Straßenraster anlegen. Ab 1720 war Mannheim Residenz der Kurpfalz, und unter Kurfürst Carl Theodor blühten Kunst und Wissenschaft. Die „Mannheimer Schule“ prägte die Orchestermusik, Mozart besuchte die Stadt, und Schillers „Die Räuber“ wurde 1782 im Nationaltheater uraufgeführt. 1886 baute Carl Benz in Mannheim das erste Automobil, und Karl Drais erfand hier 1817 die Laufmaschine, den Vorläufer des Fahrrads.
Sehenswürdigkeiten in Mannheim
Das Barockschloss ist eines der größten Schlossanlagen Europas und heute Sitz der Universität; Teile sind als Museum mit prunkvollen Räumen zugänglich. Der Wasserturm am Friedrichsplatz, ein Jugendstilbau mit Wasserspielen, Arkaden und Gärten, ist das Wahrzeichen der Stadt. Die Jesuitenkirche gehört zu den bedeutendsten Barockkirchen Südwestdeutschlands. Der Luisenpark mit Gondoletta-Booten, Pflanzenschauhaus und Fernmeldeturm gehört zu den schönsten Parks Europas, im Herzogenriedpark finden Feste statt.
Museen und Kultur
Die Kunsthalle Mannheim, deren moderner Neubau 2018 eröffnet wurde, besitzt eine bedeutende Sammlung moderner Kunst. Die Reiss-Engelhorn-Museen zeigen Archäologie, Weltkulturen und Fotografie. Das Technoseum erzählt die Geschichte der Industrialisierung mit Dampfmaschinen und Fahrzeugen. Die Popakademie Baden-Württemberg im Jungbusch hat Mannheim zur UNESCO-Musikstadt gemacht, und zahlreiche bekannte Musiker stammen von hier.
Viertel, Essen und Ausgehen
Der Jungbusch, ein früheres Hafenviertel, ist heute Szeneviertel mit Bars und Clubs. In der Neckarstadt-West leben Menschen aus vielen Ländern, und die türkischen und arabischen Restaurants sind ein Grund für viele, hierherzukommen; Mannheim hat eine der größten türkischen Gemeinden Deutschlands. Die Oststadt mit Jugendstilvillen ist bürgerlich, die Schwetzingerstadt lebhaft. Eine lokale Spezialität ist der „Mannemer Dreck“, ein Mandel-Gebäck mit Schokoladenglasur, das trotz seines Namens zu den beliebtesten Mitbringseln der Stadt gehört. Auf dem Wochenmarkt am Marktplatz in G 1 kaufen die Mannheimer Obst, Spargel und Pfälzer Spezialitäten.
Unterwegs und beste Reisezeit
Mannheim ist ein wichtiger ICE-Knoten; der Flughafen Frankfurt ist in rund 30 Minuten erreichbar. Straßenbahnen und S-Bahnen verbinden die Stadt mit Heidelberg und Ludwigshafen. Die beste Reisezeit ist von Mai bis September. Im Frühjahr und Herbst findet der Mannheimer Maimarkt beziehungsweise die Mess statt. Ausflüge führen nach Heidelberg, zum Schloss Schwetzingen mit seinem Schlossgarten, an die Weinstraße in der Pfalz und nach Worms und Speyer mit ihren Kaiserdomen. Am Rheinufer und an den Neckarwiesen sitzen die Mannheimer im Sommer beim Picknick, und auf der Reißinsel, einem Auwald im Süden, lässt es sich ruhig wandern. Wer am Wochenende kommt, sollte einen Abend im Jungbusch einplanen, wo Hafenatmosphäre, Street Art und Livemusik zusammenkommen.










