Berlin entdecken: Geschichte, Kieze und Clubs
Reiseführer · redaktionellWo bis 1989 die Mauer verlief, liegt heute ein Streifen aus Kopfsteinpflaster quer über Straßen und Plätze – eine stille Erinnerung mitten in einer der lebendigsten Metropolen Europas. Eine Berlin-Reise führt durch Jahrhunderte deutscher Geschichte, durch Weltklasse-Museen und Kieze mit eigenem Charakter. Kaum eine Städtereise bietet so viel Abwechslung: Klassik am Gendarmenmarkt, Street Art in Kreuzberg, Techno bis zum Sonntagmittag.
Von der Residenz zur geteilten Stadt
Aus den Doppelstädten Berlin und Cölln an der Spree wurde die Residenz der Hohenzollern, Hauptstadt Preußens und ab 1871 des Deutschen Kaiserreichs. In den 1920er-Jahren war Berlin eine Weltstadt der Kunst, Wissenschaft und Unterhaltung. Unter den Nationalsozialisten wurden hier Verfolgung und Krieg geplant; am Ende lag die Stadt in Trümmern. Danach geteilt, wurde West-Berlin zur Insel im Osten, 1948/49 per Luftbrücke versorgt. 1961 errichtete die DDR die Mauer, die am 9. November 1989 fiel. Seit 1991 ist Berlin wieder Hauptstadt des vereinten Deutschlands, und der Regierungsumzug brachte Bauten wie das Kanzleramt und die gläserne Reichstagskuppel.
Sehenswürdigkeiten in Berlin
Am Brandenburger Tor beginnt fast jeder Rundgang. Wenige Schritte entfernt stehen der Reichstag, dessen begehbare Kuppel nach kostenloser Anmeldung zugänglich ist, und das Denkmal für die ermordeten Juden Europas mit seinen 2.711 Betonstelen. Unter den Linden führt die Prachtstraße vorbei an der Staatsoper und der Humboldt-Universität zum rekonstruierten Stadtschloss, in dem das Humboldt Forum Sammlungen aus Afrika, Asien und Amerika zeigt. Der Gendarmenmarkt mit Konzerthaus und zwei Domen gilt als schönster Platz der Stadt. An der Bernauer Straße zeigt die Gedenkstätte Berliner Mauer einen erhaltenen Grenzstreifen mit Wachturm, an der East Side Gallery in Friedrichshain wurde das längste erhaltene Mauerstück von Künstlern bemalt. Der Checkpoint Charlie erinnert an den ehemaligen Grenzübergang der Alliierten, der Fernsehturm am Alexanderplatz bietet aus über 200 Metern Höhe einen Rundblick.
Museen und Kultur
Die Museumsinsel in Mitte ist UNESCO-Welterbe: Im Neuen Museum blickt die Büste der Nofretete, das Alte Museum zeigt Antiken, die Alte Nationalgalerie Malerei des 19. Jahrhunderts, das Bode-Museum Skulpturen. Das Pergamonmuseum wird derzeit umfassend saniert und ist in Teilen geschlossen. Am Kulturforum liegen die Gemäldegalerie, die Neue Nationalgalerie in Mies van der Rohes Glashalle und die Philharmonie. Das Jüdische Museum in Kreuzberg, gebaut von Daniel Libeskind, und die Topographie des Terrors auf dem Gelände der früheren Gestapo-Zentrale gehören zu den eindrücklichsten Orten deutscher Erinnerungskultur. Berlin hat drei Opernhäuser, zahlreiche Theater, und im Februar zieht die Berlinale Filmstars an.
Kieze mit Charakter
Berlin besteht aus vielen Städten. In Mitte liegen Regierungsviertel, Museen und die Hackeschen Höfe, im Scheunenviertel Galerien und Boutiquen. Prenzlauer Berg mit sanierten Gründerzeithäusern, dem Kollwitzplatz und dem Mauerpark mit seinem Sonntagsflohmarkt wirkt bürgerlich-entspannt. Kreuzberg ist multikulturell und alternativ, mit dem Landwehrkanal, Markthallen und türkischen Läden in der Oranienstraße. In Friedrichshain prägen die monumentale Karl-Marx-Allee und die Kneipen rund um den Boxhagener Platz das Bild, Neukölln hat sich zum Szeneviertel gewandelt. Im Westen stehen Charlottenburg mit dem Schloss und dem Kurfürstendamm, Schöneberg mit seiner queeren Szene rund um den Nollendorfplatz und das gediegene Wilmersdorf.
Essen in Berlin
Die Berliner Küche ist herzhaft: Eisbein mit Sauerkraut, Buletten, Kassler und Königsberger Klopse. Doch kulinarisch prägen vor allem die Einwanderer das Bild. Der Döner Kebab im Brot wurde in West-Berlin populär, die Currywurst ist ein Nachkriegsklassiker, der an Imbissbuden unter der Hochbahn verkauft wird. In der Markthalle Neun in Kreuzberg gibt es Streetfood-Märkte, in Neukölln und Kreuzberg vietnamesische, arabische und koreanische Lokale. Die Restaurants in Berlin reichen von der Imbissbude bis zur Sterneküche, und am Wochenende ist Brunch ein Ritual. Ein Berliner Pfannkuchen, anderswo „Berliner“ genannt, gehört zum Kaffee.
Nachtleben
Berlin ist eine Welthauptstadt der elektronischen Musik. Legendäre Clubs öffnen am Freitagabend und schließen erst am Montag, Türsteher entscheiden über den Einlass, Fotografieren ist in vielen Clubs verboten. Daneben gibt es Kneipen, Jazzkeller, Varietés, Kabarett und im Sommer Strandbars an der Spree. Besonders in Kreuzberg, Friedrichshain und Neukölln reiht sich eine Bar an die nächste, und eine Sperrstunde gibt es praktisch nicht.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen BER liegt südöstlich der Stadt und ist per S-Bahn und Regionalzug in rund 30 Minuten mit dem Zentrum verbunden. Der Hauptbahnhof ist einer der größten Kreuzungsbahnhöfe Europas. U-Bahn, S-Bahn, Trams im Osten und Busse erschließen die Stadt dicht; die Ringbahn umrundet die Innenstadt. Viele Berliner sind mit dem Fahrrad unterwegs. Die beste Reisezeit ist von Mai bis September, wenn Biergärten, Seen und Parks wie der Tiergarten und das Tempelhofer Feld, ein ehemaliger Flughafen, zum Verweilen einladen. Ausflüge führen nach Potsdam mit Schloss Sanssouci, in den Spreewald und an die Seen rund um den Wannsee. Im Grunewald und am Müggelsee im Südosten zeigt sich, wie grün die Hauptstadt ist: Fast ein Fünftel der Stadtfläche ist bewaldet. Mit dem Deutschlandticket oder einer Tageskarte für die Tarifbereiche ABC lassen sich auch Potsdam und der Flughafen ohne Zusatzticket erreichen. Wer im Winter reist, findet in Berlin über hundert Weihnachtsmärkte und ein dichtes Kulturprogramm, das die kurzen Tage vergessen lässt.















