Richmond entdecken: Fluss, Geschichte und Brauereien
Reiseführer · redaktionellMitten in einer Landeshauptstadt rauscht Wildwasser der Klasse IV über Granitfelsen – im James River kann man raften, während dahinter die Skyline aufragt. Eine Städtereise nach Richmond verbindet amerikanische Gründungsgeschichte, eine ehrliche Auseinandersetzung mit dem Erbe der Konföderation und eine der lebhaftesten Bier- und Restaurantszenen der Ostküste.
Freiheit oder Tod
In der St. John's Church auf dem Church Hill rief Patrick Henry 1775 „Give me liberty, or give me death!“ – eine Szene, die dort im Sommer nachgespielt wird. 1780 wurde Richmond Hauptstadt von Virginia, Thomas Jefferson entwarf das Kapitol nach dem Vorbild eines römischen Tempels in Nîmes. Im Bürgerkrieg war die Stadt Hauptstadt der Konföderation und zugleich einer der größten Sklavenmärkte des Südens. Nach den Protesten von 2020 wurden die Reiterstandbilder an der Monument Avenue entfernt. Im Viertel Jackson Ward entstand Anfang des 20. Jahrhunderts ein Zentrum schwarzen Unternehmertums; Maggie L. Walker gründete hier als erste Afroamerikanerin eine Bank.
Sehenswürdigkeiten in Richmond
Das Virginia State Capitol kann kostenlos besichtigt werden. Das Virginia Museum of Fine Arts mit Fabergé-Eiern und einer großen Sammlung amerikanischer Kunst ist ohne Eintritt zugänglich und gilt als eines der besten Museen im Süden. Das American Civil War Museum am Flussufer erzählt den Krieg aus mehreren Perspektiven. Der Hollywood Cemetery auf den Hügeln über dem James River ist Ruhestätte zweier US-Präsidenten. Im Fluss liegt Belle Isle, erreichbar über eine Fußgängerbrücke unter einer Autobahnbrücke, mit Felsen zum Sonnenbaden. Der Fan District und Carytown sind Viertel mit Reihenhäusern, Läden und Cafés, und Wandbilder schmücken viele Fassaden.
Essen und Ausgehen in Richmond
Scott's Addition, ein ehemaliges Lagerhausviertel, ist mit zahlreichen Brauereien, Ciderhäusern und Destillerien die Bierhauptstadt Virginias. Die Restaurantszene reicht von Südstaatenküche mit Virginia-Schinken und Brunswick Stew bis zu äthiopischen, vietnamesischen und modernen amerikanischen Lokalen. Der 17th Street Market im historischen Shockoe Bottom ist einer der ältesten Märkte der USA. Im Sommer gibt es Konzerte am Flussufer und das Richmond Folk Festival im Oktober zählt zu den größten kostenlosen Festivals des Landes.
Aktiv am James River
Der James River ist das große Freizeitrevier der Stadt. Das James River Park System umfasst Uferwege, Felsen und Inseln mitten in der Stadt; Raftingveranstalter starten hier Touren durch die Stromschnellen. Auf dem Canal Walk entlang alter Kanäle erzählen Tafeln Stadtgeschichte, und Boote fahren über das Wasser. Auf Belle Isle sind Reste eines Gefangenenlagers aus dem Bürgerkrieg und einer Eisenhütte erhalten. Mountainbiker finden auf dem Buttermilk Trail anspruchsvolle Strecken, die man in einer Großstadt kaum erwarten würde.
Unterwegs in Richmond und beste Reisezeit
Der Richmond International Airport liegt östlich der Stadt. Amtrak-Züge fahren ab Main Street Station nach Washington und New York, die Schnellbuslinie GRTC Pulse durchquert die Stadt entlang der Broad Street, und die städtischen Busse sind kostenlos. Beste Reisezeit sind Frühling und Herbst; im Sommer ist es heiß und feucht. Ausflüge führen nach Williamsburg und Jamestown, zu den Schlachtfeldern rund um Petersburg, zu Thomas Jeffersons Monticello bei Charlottesville oder in die Blue Ridge Mountains.













