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Slowenien

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§ 4

Slowenien entdecken: Alpen, Karst und Adria

Reiseführer · redaktionell

Wer einen Urlaub in Slowenien plant, kann an einem Tag in den Julischen Alpen wandern, mittags durch eine Tropfsteinhöhle laufen und abends am Hafen von Piran Fisch essen. Das Land ist kaum größer als Hessen, aber Alpen, Karst, Weinhügel und ein kurzes Stück Adriaküste liegen dicht beieinander.

Ljubljana: Hauptstadt an der Ljubljanica

Ljubljana hat knapp 300.000 Einwohner und wirkt eher wie eine große Kleinstadt. Die Altstadt ist autofrei, an der Ljubljanica reihen sich Cafés, und von der Burg auf dem Hügel sieht man an klaren Tagen die Gipfel der Steiner Alpen. Geprägt hat die Stadt vor allem ein Mann: der Architekt Jože Plečnik, der in den 1920er- bis 1950er-Jahren die Dreibrücke, die Säulengänge des Zentralmarkts, die National- und Universitätsbibliothek und viele Uferpromenaden entwarf. Seine Bauten sind seit 2021 Welterbe. Auf der Drachenbrücke wachen grüne Bronzedrachen, das Wappentier der Stadt. Am Freitag verwandelt sich der Platz neben dem Markt im Sommer in die „Odprta kuhna“, eine offene Küche mit Ständen aus dem ganzen Land. Das alternative Kulturzentrum Metelkova in einer früheren Kaserne zeigt die andere, unangepasste Seite der Hauptstadt.

Bled, Bohinj und die Julischen Alpen

Der Bleder See mit seiner kleinen Insel, der Marienkirche und der Burg auf dem Felsen ist das bekannteste Motiv des Landes. Mit dem Holzboot Pletna, das stehend gerudert wird, kommt man zur Insel; wer dort die Glocke läutet, darf sich etwas wünschen. Danach gehört eine Bleder Cremeschnitte dazu. Etwa 30 Kilometer weiter liegt der Bohinjer See, größer, stiller und ohne Hotelpromenade, eingebettet in den Triglav-Nationalpark. Der Triglav ist mit 2.864 Metern der höchste Berg Sloweniens und ziert das Staatswappen; ein Slowene sollte, so heißt es, ihn einmal im Leben besteigen. Über den Vršič-Pass, die höchste Passstraße des Landes, gelangt man von Kranjska Gora ins Soča-Tal. Der Fluss leuchtet dort smaragdgrün, Bovec ist ein Zentrum für Rafting und Kajak. Im Ersten Weltkrieg verlief hier die Isonzofront; das Museum in Kobarid erzählt davon. Bei Planica, nahe Kranjska Gora, stehen die großen Skiflugschanzen, auf denen jedes Frühjahr Weltcup-Springen stattfinden.

Sehenswürdigkeiten in Slowenien: Karst und Höhlen

Im Karst, der dem geologischen Phänomen seinen Namen gegeben hat, versickern Flüsse und tauchen kilometerweit entfernt wieder auf. In die Höhle von Postojna fährt man mit einer kleinen Elektrobahn hinein, rund fünf Kilometer der Gänge sind zugänglich. In Aquarien leben dort Grottenolme, blinde Amphibien, die als „Menschenfischchen“ bekannt sind und über hundert Jahre alt werden können. Die Höhlen von Škocjan sind UNESCO-Welterbe: Ein unterirdischer Canyon, durch den die Reka rauscht, überspannt von einer Brücke in schwindelerregender Höhe. In der Nähe klebt die Burg Predjama in einer Felswand. Lipica ist die Heimat der Lipizzaner, des Gestüts, aus dem einst die Pferde der Spanischen Hofreitschule in Wien stammten.

Piran, Koper und die Küste

Sloweniens Küste ist nur rund 47 Kilometer lang, aber dicht an Orten. Piran sitzt auf einer schmalen Landzunge; der ovale Tartini-Platz, benannt nach dem hier geborenen Geiger, und die venezianisch geprägten Gassen gehören zu den schönsten Slowenien Reisezielen. Vom Glockenturm der Georgskirche sieht man bei klarer Sicht bis zu den Alpen. Portorož ist der Badeort mit Hotels und Casino, Izola ein Fischerstädtchen, Koper die größte Stadt der Küste mit dem einzigen Handelshafen des Landes und einer kleinen venezianischen Altstadt. Ortsnamen sind hier zweisprachig, Italienisch ist Minderheitensprache. In den Salinen von Sečovlje wird seit Jahrhunderten Meersalz nach alter Methode gewonnen.

Maribor, Weinland und slowenische Küche

Maribor, die zweitgrößte Stadt, liegt an der Drau inmitten von Weinbergen. Am Lent wächst die älteste Weinrebe der Welt, eine Žametovka-Rebe mit über 400 Jahren. Die Region um Maribor und Ptuj, die älteste Stadt des Landes, ist ein Weißweingebiet; in den Goriška Brda an der italienischen Grenze reifen Rebula und orange Weine, im Karst der dunkle Teran. Celje hat eine große Burgruine der Grafen von Cilli. Die Küche spiegelt die Nachbarn: Krainer Wurst mit Sauerkraut, Štruklji, gefüllte Teigrollen, die Idrijaer Žlikrofi, kleine Teigtaschen mit Kartoffelfüllung, die Bohnen-Sauerkraut-Suppe Jota und an der Küste Tintenfisch und Polenta. Zu Festen backt man Potica, einen Hefekranz mit Walnussfüllung, und aus dem Osten kommt die Prekmurska gibanica, eine Schichttorte mit Mohn, Quark, Nüssen und Äpfeln.

Anreise und Unterwegs

Der Flughafen Ljubljana (LJU) liegt bei Brnik, rund 25 Kilometer nördlich der Hauptstadt, wird von Deutschland aus aber nur selten direkt angeflogen. Viele Reisende landen deshalb in Venedig, Triest, Klagenfurt, Graz oder Zagreb. Mit dem Auto ist man von München über die Tauern- oder Karawankenautobahn in gut vier Stunden in Ljubljana; für die Autobahnen braucht man eine elektronische Vignette. Züge fahren aus Villach und Graz, im Land ergänzen Busse das Netz. Für die Alpen und den Karst ist ein Auto oder Fahrrad bequemer.

Beste Reisezeit für Slowenien

Die beste Reisezeit für Slowenien ist von Mai bis September. Juli und August bringen an der Küste 28 bis 30 Grad und Wassertemperaturen um 24 Grad, in den Bergen ist es dann angenehm zum Wandern; die Hütten am Triglav sind meist von Ende Juni bis September geöffnet. Mai, Juni und September sind ruhiger und ideal für Ljubljana, Bled und das Soča-Tal. Im Oktober färben sich die Weinberge, und im November feiert man den Martinstag mit jungem Wein. Im Winter fährt man in Kranjska Gora oder auf der Vogel-Hochebene über dem Bohinjer See Ski.