Argisch: Transfogarascher, Poenari und Fürstenstädte
Reiseführer · redaktionellDer Kreis Argeș reicht von den höchsten Gipfeln der Südkarpaten bis in das Hügelland der Walachei. Ein Urlaub in Argisch, wie der Kreis auf Deutsch heißt, verbindet eine der berühmtesten Passstraßen Europas mit alten Fürstenresidenzen, Klöstern und Weinbergen.
Curtea de Argeș und Langenau: Wiege der Walachei
Im 14. Jahrhundert residierten die ersten walachischen Fürsten in Câmpulung, deutsch Langenau, und später in Curtea de Argeș. In Curtea de Argeș steht die Fürstenkirche St. Nikolaus mit Fresken aus dem 14. Jahrhundert. Noch berühmter ist die Klosterkirche, die Fürst Neagoe Basarab 1517 weihen ließ: ein filigraner Bau aus hellem Stein mit gedrehten Türmen. Der Legende nach mauerte Meister Manole seine eigene Frau ein, damit die Mauern hielten. In der Kirche ruhen die rumänischen Könige Carol I. und Ferdinand mit ihren Gattinnen, in einer neuen Kathedrale nebenan liegen König Michael I. und Königin Anna. Langenau bewahrt das Kloster Negru Vodă und eine Altstadt mit Häusern aus der Zeit der Händler, die über den Pass nach Siebenbürgen zogen.
Sehenswürdigkeiten in Argisch: Poenari und die Hochstraße
Nördlich von Curtea de Argeș führt die Transfăgărășan-Straße hinauf in das Fogarascher Gebirge. Bei Căpățânenii Ungureni klammert sich die Ruine der Burg Poenari an einen Felsgrat; Vlad Țepeș ließ sie im 15. Jahrhundert ausbauen, rund 1.480 Stufen führen hinauf. Wegen der vielen Bären in der Gegend wird der Aufstieg zeitweise reguliert. Weiter oben staut die 1966 fertiggestellte Vidraru-Staumauer einen langen Bergsee, von der Krone springen Mutige an einem Seil in die Tiefe. Die Hochstraße windet sich dann bis zum Bâlea-See an der Grenze zum Kreis Hermannstadt; durchgehend befahrbar ist sie meist nur von Juli bis Oktober. Im Nordosten führt die Straße über den Rucăr-Bran-Pass vorbei an der Dâmbovicioara-Schlucht und den Felswänden des Königsteins.
Pitești und das Hügelland
Die Kreishauptstadt Pitești ist eine lebhafte Industriestadt. Im Nachbarort Mioveni produziert Dacia die Autos, die heute in halb Europa fahren, und prägt damit die Wirtschaft der gesamten Gegend. Im April feiert Pitești mit dem Tulpenfest den Frühling, wenn im Stadtpark Hunderttausende Tulpen blühen. Rund um Ștefănești wachsen Weinreben, und die Hügel sind seit Langem für ihre Pflaumen bekannt, aus denen die Țuică gebrannt wird.
Klöster und Dörfer am Fuß der Berge
Abseits der großen Ziele lohnt ein Abstecher in die Dörfer zwischen Câmpulung und Curtea de Argeș. Das Kloster Cotmeana gehört zu den ältesten der Walachei, und in Rucăr und Dragoslavele stehen Bauernhäuser mit hölzernen Veranden inmitten von Obstgärten. Im Herbst wird überall Pflaumenmus eingekocht und Schnaps gebrannt, an Straßenständen gibt es Honig, Käse und Pilze aus den Wäldern. Bei Nămăiești hat sich ein kleines Höhlenkloster in eine Felswand gefügt. Zu den Argisch Reisezielen für Naturfreunde zählt außerdem der Nationalpark Piatra Craiului, dessen Kalkgrat an klaren Tagen weithin sichtbar ist.
Anreise und beste Reisezeit
Pitești liegt an der Autobahn A1, rund zwei Stunden westlich von Bukarest; die nächsten Flughäfen sind Bukarest-Otopeni und Hermannstadt. Für die Berge ist ein Auto nötig, öffentliche Busse fahren selten. Die beste Reisezeit für den Transfogarascher und Wanderungen ist Juli bis September, das Tulpenfest lockt im April, und im Herbst leuchten die Buchenwälder am Vidraru-See.


