Limburg: Hügelland, Maastricht und die Maas
Reiseführer · redaktionellWer glaubt, die Niederlande seien überall flach, wird in Limburg eines Besseren belehrt. Die südlichste Provinz schiebt sich wie ein schmaler Korridor entlang der Maas zwischen Belgien und Deutschland und endet in einem Hügelland mit Fachwerkhöfen, Obstwiesen und dem höchsten Punkt des europäischen Landesteils. Ein Urlaub in Limburg schmeckt nach Vlaai, Bier und burgundischer Gemütlichkeit.
Landschaft und Lage
Der Norden der Provinz um Venlo und Venray ist sandiges, flaches Land mit Spargelfeldern, Gewächshäusern und dem Nationalpark De Maasduinen, einem langen Dünenrücken entlang der Maas. Weiter südlich bei Roermond hat der Kies- und Sandabbau die Maasplassen hinterlassen, eine Seenplatte, die heute Segler und Hausbootfahrer anzieht. Ganz im Süden, im Heuvelland zwischen Maastricht, Valkenburg und Vaals, wird es plötzlich hügelig: Kalkstein, Lösshänge, Hohlwege und Täler wie das der Geul erinnern eher an die Eifel. Am Vaalserberg treffen sich die Grenzen der Niederlande, Belgiens und Deutschlands; mit 322,4 Metern ist er der höchste Punkt der kontinentalen Niederlande.
Maastricht und die anderen Städte
Maastricht ist die Hauptstadt und eine der ältesten Städte des Landes, hervorgegangen aus einer römischen Maasbrücke. Die Sint-Servaasbasiliek und die Onze-Lieve-Vrouwebasiliek, der weitläufige Vrijthof und die Gassen des Jekerviertels geben der Stadt ein beinahe südländisches Flair. Die Buchhandlung Dominicanen in einer gotischen Kirche zählt zu den bekanntesten der Welt. 1992 wurde hier der Vertrag von Maastricht unterzeichnet, Grundlage der Europäischen Union. Venlo im Norden ist Grenz- und Logistikstadt mit einem lebhaften Wochenmarkt, den viele Deutsche besuchen. Roermond hat eine schöne Altstadt mit Kathedrale und ein großes Designer-Outlet. Heerlen und Kerkrade im ehemaligen Bergbaurevier erzählen im Museum Continium und in der Abtei Rolduc von der Industriegeschichte, Sittard und Weert besitzen gepflegte Marktplätze.
Sehenswürdigkeiten in Limburg
Falkenburg, niederländisch Valkenburg aan de Geul, ist das touristische Zentrum des Heuvellands, mit einer Burgruine, Höhlen im Mergelgestein und dem größten Weihnachtsmarkt der Region, der teils unterirdisch in den Grotten stattfindet. Die Höhlengänge des Sint-Pietersbergs bei Maastricht wurden über Jahrhunderte ausgehoben und dienten im Krieg als Schutzraum. Thorn, das weiße Städtchen, verdankt sein Aussehen den weiß gekalkten Häusern eines früheren Damenstifts. Kasteel Hoensbroek ist eines der größten Wasserschlösser des Landes. Radfahrer schätzen die Strecken des Amstel Gold Race rund um den Cauberg.
Kultur und Geschichte
Limburg kam erst 1839 endgültig zu den Niederlanden und gehörte von 1839 bis 1866 zugleich dem Deutschen Bund an. Die Provinz ist katholisch geprägt, mit Wegkreuzen, Prozessionen und Schützenfesten, und der Karneval, der Vastelaovend, wird hier mindestens so ausgelassen gefeiert wie im Rheinland. Viele Limburger sprechen eine eigene Mundart, die als Regionalsprache anerkannt ist. Im 20. Jahrhundert prägte der Steinkohlenbergbau den Süden bis zur Schließung der Zechen in den 1970er-Jahren.
Essen und Trinken
Limburger Vlaai, ein flacher Hefeteigkuchen mit Kirschen, Aprikosen oder Reispudding, ist das kulinarische Wahrzeichen. Zu den herzhaften Gerichten gehört Zoervleis, ein in Essig und Sirup geschmortes Fleisch. Brauereien wie Gulpener und Brand in Wijlre pflegen eine lange Tradition, und an den Hängen bei Maastricht wächst Wein, etwa am Apostelhoeve. Aus Venlo und dem Norden kommt Spargel.
Anreise und beste Reisezeit
Der kleine Flughafen Maastricht Aachen bietet vor allem Charter- und Ferienflüge, meist reist man mit Auto oder Bahn an. Aachen liegt nur eine halbe Stunde von Maastricht entfernt, von Venlo fahren Züge nach Düsseldorf. Die beste Reisezeit für Wanderungen im Heuvelland ist das Frühjahr zur Obstblüte und der goldene Herbst. Im Dezember locken die Weihnachtsmärkte in Maastricht und Falkenburg, im Februar der Karneval. Im März zieht die Kunstmesse TEFAF Sammler aus aller Welt nach Maastricht, im Sommer spielt André Rieu auf dem Vrijthof seine Heimatkonzerte. Wer wandern möchte, folgt den gut markierten Rundwegen um Gulpen, Epen und Slenaken, wo Fachwerkhöfe und Kapellen am Weg liegen und Cafés mit Vlaai zum Einkehren einladen.







