Amsterdam entdecken: Grachten, Giebel und Fahrräder
Reiseführer · redaktionellRund 1.500 Brücken, schmale Giebelhäuser, die sich leicht nach vorne neigen, und mehr Fahrräder als Einwohner: Amsterdam ist auf den ersten Blick genau so, wie man es sich vorstellt – und auf den zweiten Blick viel vielschichtiger. Eine Städtereise nach Amsterdam führt von Rembrandt und Anne Frank über Märkte und Braune Cafés bis zu neuen Vierteln am IJ-Ufer.
Ein Damm wird Weltstadt
Um 1270 bauten Fischer einen Damm in der Amstel – daraus entstanden der Name und der Dam, der heutige Hauptplatz mit dem Königlichen Palast und der Nieuwe Kerk. Im 17. Jahrhundert, dem Goldenen Zeitalter, war Amsterdam das Handels- und Finanzzentrum der Welt; die Vereinigte Ostindische Kompanie hatte hier ihren Sitz, und Kaufleute ließen den halbmondförmigen Grachtengürtel mit Herengracht, Keizersgracht und Prinsengracht anlegen, heute UNESCO-Welterbe. Zu dieser Geschichte gehören auch Kolonialismus und Sklavenhandel, an die das Nationale Sklaverei-Denkmal im Oosterpark erinnert. Amsterdam war früh ein Zufluchtsort für Glaubensflüchtlinge, darunter sephardische Juden – eine Tradition, die mit der Deportation von rund drei Vierteln der jüdischen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg jäh endete.
Sehenswürdigkeiten in Amsterdam
Am Museumplein liegen das Rijksmuseum mit Rembrandts „Nachtwache“ und Vermeers „Dienstmagd mit Milchkrug“, das Van Gogh Museum mit der weltgrößten Sammlung des Malers und das Stedelijk Museum für moderne Kunst. Das Anne Frank Huis an der Prinsengracht ist sehr gefragt; Tickets gibt es nur online und sollten Wochen im Voraus gebucht werden. Im Jüdischen Viertel zeigen das Jüdische Museum, die Portugiesische Synagoge von 1675 und das Nationale Holocaustmuseum die Geschichte der jüdischen Gemeinde. Eine Grachtenrundfahrt gehört zu jedem ersten Besuch, am stimmungsvollsten abends. Der Begijnhof, ein stiller Innenhof aus dem Mittelalter, liegt nur Schritte von der lebhaften Kalverstraat entfernt. Der Vondelpark ist die grüne Lunge der Stadt, und im Rembrandthuis sieht man, wo der Maler lebte und arbeitete.
Viertel: Jordaan, De Pijp und Noord
Der Jordaan westlich des Grachtengürtels, einst Arbeiterviertel, ist mit Hofjes, Galerien und Eckkneipen heute eines der begehrtesten Wohnviertel. In De Pijp im Stadtbezirk Zuid rund um den Albert-Cuyp-Markt mischen sich Studierende, Familien mit marokkanischen und surinamischen Wurzeln und Kreative. Amsterdam-Oost mit dem Oosterpark und dem Tropenmuseum ist entspannter, ebenso West mit dem Kulturkomplex Westergasfabriek. Mit kostenlosen Fähren hinter dem Hauptbahnhof erreicht man Noord, wo auf alten Werftgeländen das Filmmuseum EYE, der A'DAM Lookout mit Schaukel über dem Abgrund und das NDSM-Gelände mit Flohmarkt und Streetart liegen.
Essen in Amsterdam: Märkte und Braune Cafés
Am Albert-Cuyp-Markt gibt es frische Stroopwafels, Matjes mit Zwiebeln und Kibbeling, frittierte Fischstücke. Indonesische Rijsttafel mit vielen kleinen Schälchen ist ein Erbe der Kolonialzeit, surinamische Roti-Lokale ebenso. In den Bruine Cafés, holzvertäfelten Kneipen, trinkt man Bier oder Jenever mit Bitterballen. Die Foodhallen in einem alten Straßenbahndepot in West versammeln zahlreiche Stände. Das Nachtleben reicht von Clubs am Leidseplein und Rembrandtplein bis zu Technopartys in Noord; die Stadt geht zudem gegen lauten Partytourismus in De Wallen vor, dem Rotlichtviertel, wo auf der Straße inzwischen nicht mehr gekifft werden darf.
Museen abseits der Klassiker
Neben Rijksmuseum und Van Gogh Museum hat Amsterdam viele kleinere Häuser, die oft weniger überlaufen sind. Das Museum Van Loon und das Museum Willet-Holthuysen zeigen, wie reiche Kaufleute hinter den Grachtenfassaden lebten. Ons' Lieve Heer op Solder ist eine versteckte katholische Kirche auf dem Dachboden eines Kanalhauses aus einer Zeit, in der Katholiken nur heimlich Gottesdienst feiern durften. Vor dem Scheepvaartmuseum liegt der Nachbau eines Ostindienfahrers vor Anker, und das Moco Museum am Museumplein zeigt Banksy und zeitgenössische Kunst. Wer viele Museen besuchen will, spart mit der Museumkaart.
Unterwegs in Amsterdam und beste Reisezeit
Der Flughafen Schiphol ist mit dem Zug in rund 15 Minuten vom Hauptbahnhof aus erreichbar, ICE-Züge verbinden die Stadt direkt mit Frankfurt und Köln. Trams, Metro und Busse decken die Stadt ab; bezahlt wird kontaktlos per Bankkarte. Wer Rad fährt, sollte die Regeln kennen und auf Straßenbahnschienen achten. Beste Reisezeit ist das Frühjahr, wenn im nahen Keukenhof die Tulpen blühen, und der Sommer. Ende April feiert die ganze Stadt in Orange den Königstag. Ausflüge führen zu den Windmühlen der Zaanse Schans, nach Haarlem, Edam und Volendam am IJsselmeer oder an den Strand von Zandvoort.















