Luxemburg Reise: Festungsstadt, Mosel und Müllerthal
Reiseführer · redaktionellLuxemburg wird oft auf Banken und EU-Behörden reduziert, dabei steckt das Großherzogtum voller Burgen, Felsschluchten und Weinberge. Für einen Urlaub in Luxemburg reichen ein paar Tage, um die Hauptstadt, die Mosel und die Ardennen kennenzulernen, und dank kostenlosem Nahverkehr lässt sich das ganze Land bequem ohne Auto bereisen.
Die Hauptstadt auf dem Felsen
Die Stadt Luxemburg liegt auf einem Sandsteinplateau, das steil zu den Tälern von Alzette und Pétrusse abfällt. Wegen ihrer Festungsanlagen galt sie einst als „Gibraltar des Nordens“, und die verwinkelte Altstadt gehört samt den Resten der Befestigung zum UNESCO-Welterbe. In die Felsen sind die Kasematten des Bock gehauen, ein Labyrinth aus Gängen und Kammern, das man im Sommer besichtigen kann. Vom Chemin de la Corniche, der gern als schönster Balkon Europas bezeichnet wird, blickt man hinunter auf den Stadtteil Grund mit seinen alten Häusern, der Abtei Neumünster und dem Fluss. Ein gläserner Aufzug verbindet Ober- und Unterstadt.
Auf der anderen Seite des Tals zeigt sich die moderne Stadt. Auf dem Kirchberg-Plateau stehen der Europäische Gerichtshof, die Philharmonie mit ihrer Fassade aus weißen Stahlsäulen und das Museum für moderne Kunst Mudam, das vom Architekten I. M. Pei entworfen wurde. Zu den Sehenswürdigkeiten in Luxemburg zählen außerdem der großherzogliche Palast, die Kathedrale Notre-Dame und die Gëlle Fra, das Denkmal mit der vergoldeten Frauenfigur.
Ardennen, Müllerthal und Mosel
Im Norden, dem Ösling, gehört das Land zu den Ardennen. Bewaldete Hügel, Flussschleifen und Burgen wie Vianden, Clervaux und Bourscheid prägen die Region. In Clervaux ist die Fotoausstellung „The Family of Man“ von Edward Steichen dauerhaft ausgestellt. Im Osten liegt das Müllerthal, das man auch Kleine Luxemburger Schweiz nennt: Bizarre Sandsteinfelsen, enge Schluchten, Moospolster und kleine Wasserfälle wie der Schéissendëmpel machen den Müllerthal Trail zu einem der schönsten Wanderwege der Region. Das Städtchen Echternach mit seiner Abteikirche ist der Hauptort der Gegend.
Entlang der Mosel im Südosten wachsen Rivaner, Riesling, Auxerrois und Pinot gris, und aus Crémant de Luxembourg entsteht ein hervorragender Schaumwein. Im Dörfchen Schengen, wo 1985 das gleichnamige Abkommen unterzeichnet wurde, treffen Luxemburg, Deutschland und Frankreich aufeinander. Im Süden, im Land der roten Erde rund um Esch an der Alzette, erinnern stillgelegte Hochöfen in Belval an die Stahlindustrie, die das Land einst reich gemacht hat. Heute sind dort eine Universität und ein neues Stadtviertel entstanden.
Kultur, Sprache und Küche
Die Luxemburger wechseln im Alltag mühelos zwischen Luxemburgisch, Französisch und Deutsch, auch Portugiesisch hört man oft, denn fast die Hälfte der Einwohner hat keinen luxemburgischen Pass. Der Nationalfeiertag am 23. Juni wird mit Feuerwerk und Fackelzug gefeiert, und an Pfingstdienstag zieht die Echternacher Springprozession Tausende Teilnehmer an, die tanzend durch die Straßen ziehen. Sie zählt zum immateriellen Kulturerbe der UNESCO.
Die Küche verbindet deutsche Deftigkeit mit französischer Raffinesse. Das Nationalgericht ist Judd mat Gaardebounen, geräucherter Schweinenacken mit dicken Bohnen. Dazu kommen Gromperekichelcher, knusprige Kartoffelpuffer, die auf Märkten verkauft werden, Bouneschlupp, eine Bohnensuppe, und Rieslingspaschtéit, eine Pastete mit Weingelee. Zum Bier wird gern Bofferding oder Diekirch getrunken.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Luxemburg-Findel (LUX) liegt nur wenige Kilometer vom Zentrum entfernt und wird von Luxair und anderen Gesellschaften angeflogen. Aus Deutschland erreicht man das Land bequem über Trier, Saarbrücken oder Koblenz mit dem Zug. Seit 2020 sind Busse, Straßenbahn und Züge der zweiten Klasse im ganzen Land kostenlos, nur für die erste Klasse wird ein Ticket benötigt. Viele deutsche Autofahrer kommen auch wegen der niedrigeren Preise für Benzin und Diesel.
Die beste Reisezeit für Luxemburg liegt zwischen Mai und September, wenn die Temperaturen bei 18 bis 25 Grad liegen und die Weinfeste an der Mosel beginnen. Der Herbst mit Weinlese und bunten Wäldern ist ideal zum Wandern im Müllerthal und in den Ardennen. Im Dezember öffnen auf der Place d’Armes und der Place de la Constitution die Weihnachtsmärkte, mit Glühwein, Gromperekichelcher und einem Riesenrad über der Pétrusse-Schlucht.


