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Kosovo

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§ 4

Kosovo: Klöster, Basare und Bergtäler

Reiseführer · redaktionell

Kosovo ist eines der jüngsten und kleinsten Länder Europas, mit einer der jüngsten Bevölkerungen des Kontinents. Wer eine Kosovo Reise plant, findet osmanische Altstädte, serbisch-orthodoxe Klöster mit mittelalterlichen Fresken und Bergtäler, die selbst im Hochsommer angenehm frisch bleiben.

Ein junges Land mit langer Geschichte

Kosovo erklärte 2008 seine Unabhängigkeit von Serbien. Deutschland und die Mehrheit der EU-Staaten erkennen es als Staat an, Serbien und einige andere Länder tun das nicht. Die große Mehrheit der Einwohner ist albanischsprachig, daneben leben vor allem im Norden und in einigen Enklaven Serben sowie Bosniaken, Türken, Roma und weitere Gemeinschaften. Für Reisende ist der Alltag unkompliziert: Bezahlt wird mit dem Euro, viele Menschen sprechen Deutsch, weil sie in Deutschland, Österreich oder der Schweiz gearbeitet haben oder dort Familie haben. Im Sommer, wenn die Diaspora zu Besuch kommt, sind Straßen, Hochzeitssäle und Cafés voll, und Autos mit deutschen Kennzeichen prägen das Bild.

Pristina: Cafés, Boulevards und Baustellen

Die Hauptstadt ist kein Ort klassischer Postkartenmotive, aber einer mit viel Energie. Auf dem Boulevard Nëna Terezë flanieren abends Tausende, in den Seitenstraßen reiht sich ein Café an das nächste, und der Macchiato gilt hier als einer der besten des Balkans. Zu den Sehenswürdigkeiten im Kosovo, die man in Pristina nicht verpassen sollte, gehören das NEWBORN-Monument, das jedes Jahr neu bemalt wird, die Nationalbibliothek mit ihrer Fassade aus Metallgittern und 99 Kuppeln, die Kaiser-Moschee aus dem 15. Jahrhundert und das Ethnografische Museum in einem osmanischen Wohnhaus. Am Stadtrand liegen die Ausgrabungen von Ulpiana, einer römischen Stadt, und das Kloster Gračanica aus dem frühen 14. Jahrhundert mit seinen gestaffelten Kuppeln.

Prizren, die schönste Stadt des Landes

Die meisten Kosovo Reiseziele lassen sich von Pristina aus erreichen, doch Prizren verdient mehr als einen Tagesausflug. Die Stadt am Fluss Bistrica wird von einer Festung überragt, von der man auf ein Meer aus Ziegeldächern, Minaretten und Kirchtürmen blickt. Die steinerne Brücke, die Sinan-Pascha-Moschee, Hamams und die Kirche der Gottesmutter von Ljeviš mit ihren Fresken liegen nur wenige Schritte voneinander entfernt. In den Gassen der Altstadt arbeiten noch Silberschmiede, die Filigranschmuck herstellen. Jeden August findet hier das Dokumentarfilmfestival DokuFest statt, dann wird an der Flussuferpromenade bis spät in die Nacht gefeiert. Von Prizren aus führt eine Straße hinauf in das Šar-Gebirge und das Bergdorf Brezovica mit seinem Skigebiet.

Peja, Gjakova und die Rugova-Schlucht

Im Westen liegt Peja, serbisch Peć, am Ausgang der Rugova-Schlucht. Die Straße windet sich zwischen bis zu 1.000 Meter hohen Felswänden in die albanischen Alpen, die hier Bjeshkët e Nemuna heißen. Es gibt einen Klettersteig, Hängebrücken, Bergdörfer mit Sommerweiden und den grenzüberschreitenden Wanderweg Peaks of the Balkans, der Kosovo, Albanien und Montenegro verbindet. Direkt bei Peja liegt das Patriarchat von Peć, Sitz des serbisch-orthodoxen Patriarchats seit dem Mittelalter, und rund 30 Kilometer südlich das Kloster Visoki Dečani mit einem der größten Freskenzyklen der byzantinischen Welt. Beide gehören zum UNESCO-Welterbe und werden bis heute von Mönchen und Nonnen bewohnt; Besucher sind willkommen, sollten aber einen Ausweis dabeihaben und angemessene Kleidung tragen. Gjakova hat mit der Çarshia e Madhe einen der längsten Basare des Balkans, mit niedrigen Holzläden und Kopfsteinpflaster.

Essen und Trinken

Die Küche ist herzhaft und großzügig. Flija ist ein Gericht mit Geduld: Dünne Teigschichten werden mit Sahne bestrichen und unter einer Glocke über glühender Holzkohle Schicht für Schicht gebacken, oft stundenlang. Dazu kommen Pite mit Käse oder Spinat, gefüllte Paprika, Tavë Prizreni mit Lammfleisch, gegrillte Qebapa und Pljeskavica. Zum Frühstück gibt es frisches Brot mit Ajvar und Schafskäse, zum Abschluss eines Essens fast immer türkischen Mokka oder Tee. Rund um Rahovec im Süden wird Wein angebaut, die Weinlese im September wird mit einem kleinen Fest gefeiert.

Unterwegs im Kosovo

Das Land ist klein, von Pristina nach Prizren fährt man rund eineinhalb Stunden auf einer gut ausgebauten Autobahn. Busse verkehren zwischen allen Städten häufig und günstig, Mietwagen sind am Flughafen erhältlich. Wichtig für Rundreisen: Wer über den Kosovo einreist und danach nach Serbien weiterfahren möchte, kann an der Grenze Probleme bekommen, weil Serbien die Grenzübergänge des Kosovo nicht als internationale Grenze anerkennt. Es lohnt sich, die aktuellen Hinweise des Auswärtigen Amts vor der Reise zu prüfen. Kombinationen mit Albanien, Nordmazedonien oder Montenegro sind dagegen unkompliziert.

Beste Reisezeit für den Kosovo

Die beste Reisezeit für Kosovo sind Mai, Juni und September bis Anfang Oktober. Dann liegen die Temperaturen meist zwischen 20 und 27 Grad, und in den Bergen ist das Wandern angenehm. Im Juli und August wird es in Pristina und Prizren oft über 30 Grad heiß, gleichzeitig sind Unterkünfte wegen der Diaspora-Besuche gefragt. Die Winter sind kalt, mit Frost und Schnee, was Brezovica und die Bergregionen für Wintersportler interessant macht. Im Herbst färben sich die Wälder der Rugova-Schlucht leuchtend gelb und rot.