Pisa entdecken: Schiefer Turm und Studentenleben
Reiseführer · redaktionellFast jeder kennt das Foto, auf dem jemand den Schiefen Turm „stützt“ – doch Pisa ist mehr als ein Motiv für Tagesausflügler. Wer bei einer Reise nach Pisa über Nacht bleibt, entdeckt eine lebendige Universitätsstadt am Arno mit Palästen, Märkten und Abenden auf den Uferpromenaden.
Seerepublik und Wissenschaft
Im 11. und 12. Jahrhundert war Pisa eine mächtige Seerepublik, die mit Genua und Venedig um den Mittelmeerhandel rang und Sardinien und Korsika kontrollierte. Aus der Beute eines Siegs über die Sarazenen vor Palermo finanzierte die Stadt den Bau des Doms. Die Niederlage gegen Genua 1284 leitete den Niedergang ein, später fiel Pisa an Florenz. Die Medici gründeten den Orden der Stephansritter und förderten die Universität, an der Galileo Galilei lehrte. Heute ist Pisa mit der Universität, der Scuola Normale Superiore und der Scuola Sant'Anna eine der wichtigsten Wissenschaftsstädte Italiens.
Sehenswürdigkeiten in Pisa
Die Piazza dei Miracoli, der „Platz der Wunder“, ist UNESCO-Welterbe: Auf einer Wiese stehen Dom, Baptisterium, Campanile und der Monumentalfriedhof Camposanto aus weißem Marmor. Schon während des Baus begann sich der Turm wegen des weichen Untergrunds zu neigen; nach einer Sanierung bis 2001 ist die Neigung reduziert und der Aufstieg über knapp 300 Stufen wieder möglich, mit festen Zeitfenstern. Im Dom hängt die Lampe, an deren Schwingen Galilei der Legende nach das Pendelgesetz erkannte. Das Baptisterium besitzt eine beeindruckende Akustik, die Wärter regelmäßig vorführen. Weniger bekannt ist die Piazza dei Cavalieri mit dem sgraffitoverzierten Palazzo della Carovana, Sitz der Scuola Normale.
Viertel am Arno
Die Altstadt nördlich des Flusses gehört zu den Vierteln Santa Maria und San Francesco; hier liegen die Universitätsgebäude und der Borgo Stretto mit Arkaden und Cafés. Südlich des Arno, in San Martino und Sant'Antonio, geht es alltäglicher zu. Am Lungarno steht die kleine gotische Kirche Santa Maria della Spina wie ein Schmuckkästchen. Am 16. Juni erleuchten zur Luminara tausende Kerzen die Uferpaläste, am Tag darauf messen sich die Viertel bei einer Ruderregatta. An einer Hauswand nahe dem Bahnhof prangt „Tuttomondo“, eines der letzten großen Wandbilder von Keith Haring.
Essen in Pisa
Im Marktviertel rund um die Piazza delle Vettovaglie kaufen die Pisaner tagsüber ein, abends werden hier Wein und Aperitivo serviert. Typisch sind die Cecina, ein dünner Fladen aus Kichererbsenmehl, Zuppa pisana und Gerichte mit Wild aus dem Hinterland. Dank der Studenten sind die Restaurants in Pisa oft günstiger als in Florenz.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Galileo Galilei, einer der wichtigsten der Toskana, liegt nur wenige Minuten vom Zentrum und ist mit der Bahn PisaMover direkt mit dem Hauptbahnhof verbunden. Florenz ist mit dem Zug in rund einer Stunde erreichbar, Lucca in etwa einer halben Stunde. Ideale Reisemonate sind April bis Juni sowie September und Oktober. Zum Baden fährt man an die Strände von Marina di Pisa oder Tirrenia.













