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Guernsey

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Guernsey entdecken: Kanalinsel mit Klippen und Häfen

Reiseführer · redaktionell

Guernsey liegt näher an der Normandie als an England, untersteht aber der britischen Krone: Ein Urlaub auf Guernsey verbindet Granitklippen, Gezeitenhäfen und eine Mischung aus englischem Alltag und französischen Straßennamen. Die Insel ist ein Kronbesitz mit eigener Regierung und eigenen Gesetzen, weder Teil des Vereinigten Königreichs noch der EU.

St Peter Port: Hafenstadt am Hang

Der Hauptort St Peter Port zieht sich in Terrassen vom Hafen den Hang hinauf, verbunden durch steile Treppen und Gassen. An der Hafeneinfahrt liegt Castle Cornet, eine Festung aus dem 13. Jahrhundert, in der heute mehrere Museen untergebracht sind und mittags eine Kanone abgefeuert wird. Am bekanntesten unter den Sehenswürdigkeiten auf Guernsey ist Hauteville House, das Haus, in dem Victor Hugo fünfzehn Jahre im Exil lebte und „Die Elenden“ vollendete; er gestaltete die Räume mit Schnitzereien, Wandteppichen und Porzellan selbst. Die Candie Gardens oberhalb der Stadt zeigen viktorianische Gewächshäuser und die Sammlungen des Inselmuseums.

Küsten, Klippen und Inselnachbarn

Die Südküste besteht aus bis zu 90 Meter hohen Klippen, an denen ein Wanderweg entlangführt, mit Abstiegen zu Buchten wie Moulin Huet, die Renoir 1883 malte. Der Westen ist flach, mit langen Sandstränden wie Vazon und Cobo, an denen man den Sonnenuntergang beobachtet. Überall auf der Insel stehen Hecken mit kleinen Verkaufsständen, an denen Eier, Blumen und Gemüse gegen Münzen in einer Kasse abgegeben werden. Eine Kuriosität ist die Little Chapel, eine winzige Kapelle, die ein Mönch mit Muscheln, Kieseln und Porzellanscherben verziert hat. Von St Peter Port setzen Fähren nach Herm über, einer autofreien Insel mit weißen Stränden, und nach Sark, wo statt Autos Pferdekutschen und Traktoren fahren. Auch Alderney, die nördlichste der bewohnten Kanalinseln, gehört zur Vogtei Guernsey.

Geschichte: Normannen und deutsche Besatzung

Die Kanalinseln gehörten zum Herzogtum Normandie und blieben bei der englischen Krone, als die Normandie 1204 an Frankreich fiel. Die Verbindung zum Festland zeigt sich bis heute in Ortsnamen, Gemeinden, den Parishes, und im alten normannischen Dialekt Guernésiais, der in Kursen wiederbelebt wird. Von 1940 bis 1945 war Guernsey von deutschen Truppen besetzt, wie die übrigen Kanalinseln, die einzigen Gebiete der britischen Krone in Europa, die im Zweiten Weltkrieg besetzt wurden. Bunker, Geschütztürme und das German Occupation Museum erinnern daran, ebenso das unterirdische Lazarett, das Zwangsarbeiter in den Fels trieben. Am 9. Mai feiert die Insel den Liberation Day.

Essen und Trinken

Die Guernsey-Kühe mit ihrem goldbraunen Fell liefern eine besonders fette, gelbliche Milch, aus der Butter, Eis und Sahne gemacht werden. Typisch ist Bean Jar, ein lange geschmorter Bohneneintopf mit Schweinefleisch, und Gâche, ein süßes Früchtebrot, das mit Butter gegessen wird. Fischrestaurants am Hafen servieren Krabben, Hummer und Jakobsmuscheln aus den umliegenden Gewässern. Zu den Delikatessen gehören die Ormer, Seeohren, deren Sammeln streng geregelt ist und nur an bestimmten Tagen mit Springtide erlaubt wird.

Anreise und Unterwegs

Der Flughafen Guernsey hat Verbindungen nach London, Southampton, Manchester und weiteren britischen Städten, Direktflüge aus Deutschland gibt es kaum. Fähren der Condor Ferries fahren von Poole und Portsmouth sowie von St-Malo in Frankreich und verbinden Guernsey mit Jersey. Deutsche Reisende benötigen einen Reisepass und sollten vorab prüfen, ob eine elektronische Reisegenehmigung, die ETA, erforderlich ist. Vor Ort genügen Busse, Fahrrad oder ein kleiner Mietwagen, die Höchstgeschwindigkeit liegt bei 35 Meilen pro Stunde, auf vielen schmalen Wegen deutlich darunter.

Beste Reisezeit für Guernsey

Die beste Reisezeit für Guernsey liegt zwischen Mai und September. Im Juli und August werden etwa 19 bis 21 Grad erreicht, das Meer erwärmt sich auf rund 17 Grad. Im Frühling blühen an den Klippen Ginster, Grasnelken und wilde Narzissen, im September ist es ruhiger und oft noch mild. Wegen des Golfstroms bleiben die Winter frostfrei, aber windig und regnerisch. Der Tidenhub gehört zu den größten der Welt, und Strandwanderungen sollte man mit einem Blick auf die Gezeitentabelle planen.