Glasgow entdecken: Mackintosh, Musik und Museen
Reiseführer · redaktionellAuf dem Kopf des Herzogs von Wellington vor der Gallery of Modern Art sitzt fast immer ein orangefarbener Verkehrskegel – und Versuche der Stadtverwaltung, ihn zu entfernen, scheiterten am Protest der Einwohner. Der Humor gehört zu Glasgow wie die rote Sandsteinarchitektur, und eine Städtereise nach Glasgow belohnt mit erstklassigen Museen ohne Eintritt, legendären Konzertsälen und einer kreativen Szene.
Vom Handelshafen zur Kulturstadt
Im 18. Jahrhundert wurde Glasgow durch den Tabak- und Zuckerhandel reich, im 19. Jahrhundert durch Schiffbau am Clyde und Schwerindustrie; zeitweise war es die zweitgrößte Stadt des Britischen Empire. Die Kaufleute hinterließen das Viertel Merchant City mit prächtigen Bauten, heute voller Restaurants und Bars. Nach dem Niedergang der Werften erfand sich die Stadt neu: 1990 war sie Kulturhauptstadt Europas, 2008 wurde sie UNESCO-Musikstadt. Glasgow ist Schottlands größte Stadt, mit eigenem Charakter und einer ausgeprägten Rivalität zu Edinburgh.
Sehenswürdigkeiten in Glasgow
Die gotische Kathedrale aus dem 12. Jahrhundert überstand als eine der wenigen schottischen Kirchen die Reformation fast unbeschadet; dahinter erhebt sich die Necropolis, ein viktorianischer Friedhof auf einem Hügel mit Blick über die Stadt. Im West End steht die Kelvingrove Art Gallery, ein roter Sandsteinpalast mit Salvador Dalís „Christus des heiligen Johannes vom Kreuz“, schottischer Malerei und einer großen Orgel, die täglich gespielt wird. Am Fluss zeigt das Riverside Museum von Zaha Hadid Straßenbahnen, Lokomotiven und einen Großsegler. Die Burrell Collection im Pollok Country Park wurde 2022 nach umfassender Renovierung wiedereröffnet. Auf den Spuren von Charles Rennie Mackintosh besucht man die Willow Tea Rooms, The Lighthouse und das House for an Art Lover im Bellahouston Park.
Ausgehen und Musik
Abends zieht es viele in die gepflasterte Ashton Lane im West End oder in die Merchant City. Glasgow ist für seine Livemusik bekannt: Im Barrowland Ballroom spielten große Bands, und im kleinen Club King Tut’s Wah Wah Hut wurden Oasis 1993 entdeckt. Am Wochenende lohnt der Flohmarkt The Barras im East End. Zur Küche gehören Haggis, Fish and Chips und das Nationalgetränk Irn-Bru; zudem soll das Curry Chicken Tikka Masala in Glasgow erfunden worden sein.
Viertel und Grünflächen
Das West End rund um die Universität, deren neugotischer Turm über dem Kelvingrove Park aufragt, ist das Studentenviertel mit Buchläden, Cafés und Vintage-Shops in der Byres Road. Südlich des Clyde liegen die Southside mit dem riesigen Pollok Country Park, in dem Hochlandrinder grasen, und der Queens Park mit Blick über die Stadt. Am Fluss entstanden in den letzten Jahrzehnten neue Kulturbauten wie das Konzerthaus SEC Armadillo und das Glasgow Science Centre. Die Buchanan Street und die Sauchiehall Street sind die großen Einkaufsmeilen im Zentrum.
Anreise und beste Reisezeit
Der Flughafen Glasgow liegt westlich der Stadt, Busse fahren ins Zentrum. Die Subway, eine der ältesten U-Bahnen der Welt von 1896, fährt auf einem Ring und wird wegen ihrer orangen Züge Clockwork Orange genannt. Vororte wie Bearsden, Giffnock oder Rutherglen erreicht man mit Zug oder Bus. Die beste Reisezeit ist von Mai bis September; Regen ist zu jeder Jahreszeit möglich. Ausflüge führen an den Loch Lomond, der nur eine Stunde entfernt liegt.
















