Bordeaux entdecken: Wasserspiegel, Wein und Chartrons
Reiseführer · redaktionellWenn sich die Fassaden der Place de la Bourse im Wasserspiegel am Ufer der Garonne verdoppeln, versteht man, warum Bordeaux so lange als „schlafende Schöne“ galt – und warum sie inzwischen hellwach ist. Die Hauptstadt der Weinregion hat ihre Kais renoviert, eine moderne Straßenbahn gebaut und sich zu einem der beliebtesten Ziele für eine Städtereise in Frankreich entwickelt. Ein Bordeaux Urlaub verbindet Architektur, Genuss und Ausflüge zu weltberühmten Châteaus.
Der Hafen des Mondes
Die Römer nannten die Stadt Burdigala, und schon damals wurde hier Wein angebaut. Durch die Heirat Eleonores von Aquitanien mit dem späteren englischen König Heinrich II. gehörte Bordeaux im Mittelalter rund 300 Jahre lang zu England, das Unmengen des leichten Rotweins „Claret“ importierte. Im 18. Jahrhundert erlebte die Stadt durch Kolonialhandel, auch mit Sklaven, ein goldenes Zeitalter, und es entstanden die klassizistischen Fassaden aus hellem Kalkstein, die das Stadtbild prägen. Der halbmondförmige Flussbogen gab dem Hafen den Namen „Port de la Lune“, unter dem das Ensemble seit 2007 zum UNESCO-Welterbe gehört.
Sehenswürdigkeiten in Bordeaux
Die Place de la Bourse und der gegenüberliegende Miroir d'eau, ein flaches Wasserbecken, das abwechselnd spiegelt und Nebel versprüht, sind das bekannteste Fotomotiv. Das Grand Théâtre aus dem 18. Jahrhundert mit seinen zwölf Säulen gilt als einer der schönsten Theaterbauten Frankreichs. Die Kathedrale Saint-André und der freistehende Turm Pey-Berland, die Basilika Saint-Michel mit ihrem hohen Glockenturm und die Porte Cailhau, ein mittelalterliches Stadttor, liegen in Bordeaux Centre. Die Rue Sainte-Catherine ist eine der längsten Fußgängerzonen Europas. Am Wasser lohnt die Cité du Vin, ein Museum über Weinkultur in einem Bau, der an Wein im Glas erinnert, mit Verkostung auf dem Dach.
Viertel: Chartrons, Saint-Michel und La Bastide
Das Viertel Chartrons, einst Sitz der Weinhändler, ist heute für seine Antiquitätenläden, Bistros und den Sonntagsmarkt am Kai bekannt; der Jardin Public ist ein englischer Park in der Nähe. Rund um Saint-Michel im Süden der Altstadt geht es multikulturell zu, mit Flohmarkt und Marktständen. Auf der anderen Seite der Garonne liegt La Bastide, wo der Botanische Garten und Kulturzentren in alten Industriebauten entstanden sind. Bordeaux Maritime im Norden hat sich mit dem Becken Bassins à Flot und der früheren U-Boot-Basis, heute Kulturzentrum Bassins des Lumières mit digitalen Kunstausstellungen, neu erfunden.
Essen und Wein in Bordeaux
Zum Wein gehört gutes Essen: Entrecôte à la bordelaise mit Rotwein-Schalotten-Sauce, Austern aus dem nahen Arcachon und Lamproie, Neunauge in Rotweinsauce, sind lokale Spezialitäten. Die Canelés, kleine Gebäcke mit karamellisierter Kruste und weichem, nach Vanille und Rum duftendem Inneren, gibt es in jeder Bäckerei. Der Marché des Capucins, der „Bauch von Bordeaux“, ist der Ort für Austern zum Frühstück. Die Restaurants in Bordeaux reichen von einfachen Weinbars bis zu Sterneküche, und abends füllen sich die Bars rund um die Place Saint-Pierre und den Quai.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Mérignac (BOD) liegt rund zwölf Kilometer westlich, ein Shuttlebus und eine Tramlinie fahren ins Zentrum. Seit 2017 ist Paris mit dem TGV in gut zwei Stunden erreichbar. Vier Tramlinien und Leihräder machen Autos in der Innenstadt überflüssig. Beste Reisezeit ist von Mai bis Oktober; im Herbst wird gelesen, und Ausflüge zu den Weingütern von Saint-Émilion, dem Médoc oder zur Dune du Pilat, der höchsten Wanderdüne Europas, lohnen besonders.













