Belarus: Wälder, Burgen und Städte am Fluss
Reiseführer · redaktionellDas Auswärtige Amt rät dringend von Reisen nach Belarus ab: Das Land unterstützt den russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine, es besteht die Gefahr willkürlicher Festnahmen, und konsularische Hilfe ist nur sehr eingeschränkt möglich. Dieser Text beschreibt Belarus deshalb als Land und Kulturraum, nicht als Empfehlung für einen Urlaub in Belarus unter den derzeitigen Umständen.
Politische Lage und Sicherheit
Seit den Präsidentschaftswahlen von 2020, die von der Europäischen Union nicht anerkannt wurden, und den anschließenden Massenprotesten geht der Staat hart gegen Opposition, unabhängige Medien und Zivilgesellschaft vor. Tausende Menschen wurden inhaftiert, viele sind ins Ausland gegangen, darunter zahlreiche Künstler und Journalisten nach Litauen und Polen. Russland nutzte belarussisches Territorium 2022 als Ausgangsbasis für den Angriff auf die Ukraine. Die Grenzen zu Polen und Litauen sind nur an wenigen Übergängen geöffnet, Direktflüge aus der EU gibt es nicht. Auch harmlos wirkende Handlungen wie das Fotografieren von Behördengebäuden oder Äußerungen in sozialen Medien können zu Problemen mit den Behörden führen.
Landschaft: Wälder, Seen und Sümpfe
Belarus ist flach, aber alles andere als eintönig. Rund 40 Prozent des Landes sind bewaldet, dazu kommen mehr als 10.000 Seen und ausgedehnte Moore. Der Białowieża-Urwald an der polnischen Grenze, belarussisch Belaweschskaja Puschtscha, ist einer der letzten Tieflandurwälder Europas und gemeinsam mit dem polnischen Teil UNESCO-Welterbe. Hier lebt die größte Population frei lebender Wisente. Im Norden liegt die Seenplatte von Braslaw mit Dutzenden durch Kanäle verbundenen Seen, im Süden das Polesien, ein weites Sumpf- und Flussgebiet am Prypjat, in dem Störche auf fast jedem Dorfdach nisten. Ein Teil des Südostens ist seit der Katastrophe von Tschernobyl 1986 Sperrgebiet, das Land war vom radioaktiven Niederschlag besonders stark betroffen.
Minsk: Hauptstadt im Stil der Nachkriegszeit
Minsk wurde im Zweiten Weltkrieg fast vollständig zerstört und danach als sowjetische Musterstadt wiederaufgebaut. Der Unabhängigkeitsprospekt mit seinen monumentalen Gebäuden im Stil des stalinistischen Klassizismus zieht sich kilometerlang durch die Stadt, breite Plätze und gepflegte Parks prägen das Bild. Ein kleiner Rest der alten Bebauung ist in der Oberstadt rund um das Rathaus und die Heilig-Geist-Kathedrale erhalten, das rekonstruierte Viertel Troizkaja am Fluss Swislatsch zeigt, wie Minsk vor dem 20. Jahrhundert ausgesehen haben könnte. Das Museum zur Geschichte des Großen Vaterländischen Krieges erinnert an das Leid des Landes, in dem zwischen 1941 und 1944 etwa jeder vierte Einwohner ums Leben kam. Die Gedenkstätte Chatyn nördlich von Minsk steht für Hunderte Dörfer, die von deutschen Besatzern samt ihren Bewohnern niedergebrannt wurden.
Burgen und Städte: Mir, Njaswisch, Brest und Hrodna
Zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten in Belarus gehören zwei Schlossanlagen der Adelsfamilie Radziwiłł, beide UNESCO-Welterbe. Die Burg Mir aus rotem Backstein und weißem Putz mit ihren fünf Türmen entstand im 16. Jahrhundert, das Schloss Njaswisch mit seinen Parks und der Fronleichnamskirche war über Jahrhunderte Sitz eines der mächtigsten Geschlechter Polen-Litauens. Hrodna im Westen, nahe Polen und Litauen, hat eine der besterhaltenen Altstädte des Landes, mit katholischen Barockkirchen, einer Synagoge und dem Alten Schloss über der Memel. Brest an der polnischen Grenze ist vor allem für seine Festung bekannt, die 1941 in den ersten Kriegstagen wochenlang verteidigt wurde und heute ein riesiges Gedenkgelände ist. Viele Orte erzählen zudem von der jüdischen Geschichte des Landes, die vor dem Holocaust in zahlreichen Kleinstädten das Leben prägte. Wizebsk im Nordosten ist die Geburtsstadt Marc Chagalls, sein Elternhaus ist ein kleines Museum, und jedes Jahr findet das Festival Slawischer Basar statt. Homel im Südosten besitzt einen Palast der Familie Rumjanzew-Paskewitsch in einem großen Park am Fluss Sosch, Mahiljou am Dnepr ein Rathaus aus dem 17. Jahrhundert.
Essen und Trinken
Die belarussische Küche dreht sich um die Kartoffel, die hier Bulba heißt und so wichtig ist, dass sich Belarussen scherzhaft selbst Bulbaschi nennen. Draniki, knusprige Kartoffelpuffer mit saurer Sahne, sind das Nationalgericht. Dazu kommen Kalduny, mit Fleisch gefüllte Kartoffelklöße, Machanka, eine dicke Soße mit Fleisch, in die man Pfannkuchen tunkt, und Babka, ein im Ofen gebackener Kartoffelauflauf mit Speck. Im Sommer gibt es kalte Rote-Bete-Suppe namens Chaladnik, im Herbst Pilze und Waldbeeren, die viele Familien selbst sammeln. Auf den Märkten in Minsk und Hrodna verkaufen Bäuerinnen im Spätsommer Preiselbeeren, Moosbeeren und getrocknete Steinpilze aus großen Säcken. Getrunken werden Kwas, Kräuterbalsame und Wodka, zur Begrüßung reicht man in Dörfern traditionell Brot und Salz.
Klima und beste Reisezeit für Belarus
Das Klima ist gemäßigt kontinental. Die Sommer von Juni bis August sind mit 20 bis 25 Grad angenehm warm, gelegentlich auch heißer, die Winter lang und kalt mit Temperaturen oft unter minus zehn Grad und geschlossener Schneedecke von Dezember bis März. Rein klimatisch gelten Mai bis September als günstigste Monate, im Herbst färben sich die großen Wälder gelb und rot. Für die Planung einer Reise ist derzeit aber nicht das Wetter entscheidend, sondern die Sicherheitslage, und die spricht weiterhin klar gegen einen Besuch.







