Andorra entdecken: Berge, Pisten und Täler
Reiseführer · redaktionellEin Urlaub in Andorra spielt sich fast immer in der Höhe ab: Der kleine Pyrenäenstaat zwischen Frankreich und Spanien liegt nirgends tiefer als rund 840 Meter. Im Winter kommen die Gäste zum Skifahren, im Sommer zum Wandern über Bergseen und Hochweiden. Dazwischen liegen Täler mit romanischen Kirchen und eine Hauptstadt, die viele zuerst als Einkaufsziel kennen.
Ein Land aus Tälern und Gipfeln
Andorra besteht im Grunde aus zwei Flusstälern, die sich in der Hauptstadt treffen. Mehr als 60 Gipfel übersteigen 2.500 Meter, der höchste ist der Comapedrosa mit 2.942 Metern. Rund ein Drittel der Fläche ist Wald, dazu kommen über 60 Bergseen. Das Tal von Madriu-Perafita-Claror im Südosten ist das einzige UNESCO-Welterbe des Landes, eine fast unberührte Gletscherlandschaft mit Steinhütten, Terrassenfeldern und alten Hirtenwegen. Hier zeigt sich, wie die Menschen jahrhundertelang von Viehzucht, Eisen und Tabakanbau lebten.
Andorra la Vella, Escaldes und die Skiorte
Andorra la Vella ist mit gut 1.000 Metern eine der höchstgelegenen Hauptstädte Europas. Im alten Viertel Barri Antic steht die Casa de la Vall, ein Steinhaus aus dem 16. Jahrhundert, das lange als Parlament diente. Nahtlos geht die Stadt in Escaldes-Engordany über, wo das Thermalbad Caldea mit seiner gläsernen Turmspitze sichtbar über den Dächern aufragt. Die Einkaufsstraßen beider Orte sind voll mit Geschäften für Elektronik, Parfum und Sportartikel, denn Andorra erhebt deutlich niedrigere Steuern als seine Nachbarn.
Die bekanntesten Ziele für Wintersportler sind Soldeu und Pas de la Casa an der französischen Grenze, die gemeinsam das Skigebiet Grandvalira bilden, eines der größten der Pyrenäen. Im Westen liegen Arinsal und Pal, die zum Gebiet Pal Arinsal gehören, sowie Ordino-Arcalís mit seinem Freeride-Gelände. Encamp ist über eine Kabinenbahn mit den Pisten verbunden. Rund um La Comella oberhalb der Hauptstadt beginnen Spazierwege mit Blick ins Tal.
Kultur und Geschichte
Andorra ist ein Kuriosum der europäischen Geschichte. Seit 1278 wird es von zwei Ko-Fürsten gemeinsam regiert, heute vom Bischof von Urgell in Spanien und vom französischen Staatspräsidenten. Erst 1993 erhielt das Land eine eigene Verfassung und wurde Mitglied der Vereinten Nationen. Amtssprache ist Katalanisch, im Alltag hört man aber genauso Spanisch, Französisch und Portugiesisch. Sehenswert sind die romanischen Kirchen, etwa Sant Joan de Caselles bei Canillo mit ihrem schlanken Glockenturm oder Santa Coloma mit ihrem runden Turm.
Essen und Trinken
Die Bergküche ist herzhaft. Typisch ist Trinxat, ein Pfannengericht aus Kohl, Kartoffeln und Speck, außerdem Escudella, ein Eintopf mit Fleisch und Gemüse, der vor allem im Winter gekocht wird. In den Bordas, umgebauten alten Scheunen, wird Fleisch über Holzkohle gegrillt und mit Allioli serviert. Dazu passen Wurstspezialitäten, Bergkäse und Pilze aus den Wäldern. Wer etwas Süßes möchte, probiert Crema catalana.
Anreise und beste Reisezeit
Andorra hat keinen Bahnanschluss. Die meisten Besucher fliegen nach Barcelona oder Toulouse und fahren von dort mit dem Bus oder Mietwagen in etwa drei Stunden in die Berge. Der kleine Flughafen Andorra–La Seu d'Urgell liegt jenseits der Grenze in Spanien. Ein Personalausweis genügt, beim Einkaufen gelten allerdings Freimengen für die Rückreise in die EU. Die beste Reisezeit für Andorra richtet sich nach dem Vorhaben: Skifahren ist meist von Anfang Dezember bis Anfang April möglich, zum Wandern eignen sich die Monate Juni bis September, wenn die Hochtäler schneefrei sind und die Tage im Tal bei 20 bis 25 Grad liegen. Im Herbst färben sich die Wälder, und die Wege sind leer.




