Ibiza entdecken: Dalt Vila, Hafen und Sonnenuntergänge
Reiseführer · redaktionellIbiza-Stadt, auf Katalanisch Eivissa, ist das Herz der Insel – und viel älter, als ihr Ruf als Partyhauptstadt vermuten lässt. Über dem Hafen erhebt sich die befestigte Oberstadt Dalt Vila, unten drängen sich Boutiquen, Bars und Yachten. Wer eine Reise nach Ibiza plant, findet hier eine Mischung aus Geschichte, Mittelmeerküche und Nächten, die erst bei Sonnenaufgang enden.
2.700 Jahre Geschichte auf einem Hügel
Phönizier gründeten um 654 v. Chr. auf dem Hügel am Hafen eine Siedlung, später machten die Karthager daraus einen wichtigen Handelsposten. Die Nekropole Puig des Molins, eine der größten punischen Begräbnisstätten des Mittelmeers, liegt mitten in der heutigen Stadt. Römer, Byzantiner und Mauren folgten, 1235 eroberten katalanische Truppen die Insel. Die gewaltigen Renaissancemauern, die Dalt Vila umschließen, ließ Philipp II. im 16. Jahrhundert gegen Piratenangriffe bauen. 1999 nahm die UNESCO die Altstadt, die phönizische Siedlung Sa Caleta, die Nekropole und die Seegraswiesen zwischen Ibiza und Formentera in die Welterbeliste auf.
Sehenswürdigkeiten in Ibiza-Stadt
Der Weg nach Dalt Vila beginnt am Portal de ses Taules, dem Haupttor mit Zugbrücke. Von dort steigen gepflasterte Gassen zwischen weiß gekalkten Häusern bergauf zur Kathedrale Santa Maria de les Neus, deren Vorplatz einen weiten Blick über Hafen und Meer bis nach Formentera bietet. Auf den Bastionen wie Sant Bernat und Santa Llúcia lässt sich die Festungsanlage abschreiten. Das Museu d'Art Contemporani in einem alten Waffenlager zeigt Werke von Künstlern, die seit den 1950er-Jahren auf die Insel kamen, und das Archäologische Museum erzählt von der punischen Vergangenheit. Unterhalb der Mauern liegt das alte Hafenviertel La Marina mit seinen engen Gassen, in denen sich Modegeschäfte und kleine Bars aneinanderreihen. Sa Penya, das ehemalige Fischerviertel an der Hafenspitze, schmiegt sich mit bunten Häusern an den Felsen.
Strände und Umgebung
Der nächste Stadtstrand ist Ses Figueretes, ein paar Minuten zu Fuß vom Zentrum, gefolgt von der langen Platja d'en Bossa mit Strandclubs und großen Hotels. Südlich des Flughafens beginnt der Naturpark Ses Salines mit Salzseen, Flamingos und den Stränden Ses Salines und Es Cavallet. Von Ibiza-Hafen fahren Fähren in rund einer halben Stunde nach Formentera, wo das Wasser karibisch türkis leuchtet. Im Inselinneren lohnen die weißen Wehrkirchen von Sant Miquel und Santa Gertrudis, und an der Westküste versammelt man sich in Sant Antoni zum berühmten Sonnenuntergang.
Essen und Trinken
Die ibizenkische Küche ist ländlich und deftig. Bullit de peix, ein Fischeintopf, wird mit Arroz a banda serviert, dem Reis, der in der Fischbrühe gekocht wird. Sofrit pagès, ein Bauerneintopf mit Fleisch, Wurst und Kartoffeln, ist das klassische Festtagsgericht. Zum Nachtisch gibt es Flaó, einen Käsekuchen mit Minze, und dazu einen Hierbas ibicencas, den Kräuterlikör der Insel. Im Mercat Vell am Fuß von Dalt Vila werden Obst und Gemüse verkauft, und die Restaurants in Ibiza reichen von einfachen Fischlokalen bis zu Gourmet-Adressen in der Marina Botafoch.
Nachtleben auf Ibiza
Ibiza ist eine Pilgerstätte der elektronischen Musik. Die großen Clubs liegen zwischen Stadt, Platja d'en Bossa und Sant Rafel, manche mit Kapazitäten für Tausende Gäste; die Saison beginnt mit den Opening-Partys im Mai und endet mit den Closings im Oktober. Wer es ruhiger mag, bleibt in den Bars der Marina oder auf einer Terrasse unter der Stadtmauer. Seit einigen Jahren versucht die Inselregierung, Exzesse einzudämmen – etwa mit Alkoholverkaufsbeschränkungen in bestimmten Zonen.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Ibiza (IBZ) liegt nur rund sieben Kilometer südwestlich der Stadt, Busse fahren regelmäßig ins Zentrum. Auf der Insel verkehren Busse zwischen den Orten, im Sommer auch Nachtbusse; ein Mietwagen ist für versteckte Buchten aber praktischer. Die beste Reisezeit sind Mai, Juni und September: warmes Meer, offene Clubs und weniger Gedränge als im Juli und August, wenn Preise und Besucherzahlen ihren Höhepunkt erreichen. Im Winter wird es still, viele Lokale schließen.










