Liechtenstein Urlaub: Fürstentum am Rhein
Reiseführer · redaktionellLiechtenstein ist mit rund 160 Quadratkilometern das sechstkleinste Land der Welt und lässt sich mit dem Fahrrad an einem Tag von Nord nach Süd durchqueren. Ein Urlaub in Liechtenstein lohnt sich trotzdem, denn zwischen Rheintal und den Gipfeln des Rätikon liegen Burgen, Weinberge, Kunstmuseen und ein Wandernetz, das man in so einem kleinen Land nicht erwarten würde.
Vaduz und das Rheintal
Die Hauptstadt Vaduz hat nur rund 6.000 Einwohner, aber mehr Kultur als manche Großstadt. Über dem Ort thront Schloss Vaduz, die Residenz der Fürstenfamilie, die nicht besichtigt werden kann, aber einen schönen Blick hinunter auf das Städtle bietet. In der Fußgängerzone stehen das Kunstmuseum Liechtenstein, ein schwarzer Kubus aus Basalt und Beton, das Landesmuseum und das Postmuseum, denn Briefmarken aus Liechtenstein gehören zu den gesuchtesten der Welt. Die Fürstlichen Sammlungen zählen zu den größten privaten Kunstsammlungen Europas, ihr Schwerpunkt liegt allerdings im Wiener Palais Liechtenstein.
Am Fuß des Schlosses wachsen Reben, und in der Hofkellerei des Fürsten wird Pinot noir gekeltert. Weiter nördlich liegen Schaan, die größte Gemeinde des Landes, und das ruhige Unterland mit Dörfern wie Eschen und Mauren. Im Süden thront in Balzers die Burg Gutenberg auf einem Felshügel über dem Rhein, der hier die Grenze zur Schweiz bildet.
Berge und Wandern
Rund die Hälfte des Landes ist bergig. Von Vaduz führt eine kurvige Straße hinauf nach Triesenberg, wo sich im 13. Jahrhundert Walser aus dem Wallis angesiedelt haben, deren Dialekt man bis heute hört. Dahinter liegt das Hochtal von Malbun, im Winter ein familienfreundliches Skigebiet mit Liften bis auf rund 2.000 Meter, im Sommer Ausgangspunkt für Wanderungen. Der bekannteste Weg ist der Fürstensteig, ein ausgesetzter, mit Seilen gesicherter Pfad entlang der Felswände über dem Rheintal. Wer das ganze Land kennenlernen will, kann den Liechtenstein-Weg gehen, der über rund 75 Kilometer alle elf Gemeinden verbindet. Der höchste Gipfel ist der Grauspitz mit 2.599 Metern an der Grenze zu Graubünden.
Geschichte und Besonderheiten
Das Fürstentum entstand 1719, als Kaiser Karl VI. die Herrschaften Vaduz und Schellenberg zu einem Reichsfürstentum erhob. Die Fürstenfamilie lebte jedoch lange in Wien und zog erst 1938 nach Vaduz. Heute ist Liechtenstein eine konstitutionelle Erbmonarchie mit starken direktdemokratischen Elementen. Seit 1924 bildet das Land mit der Schweiz eine Zoll- und Währungsunion, bezahlt wird deshalb in Franken. Eine eigene Armee gibt es seit 1868 nicht mehr. Am 15. August, dem Staatsfeiertag, lädt der Fürst die Bevölkerung in den Schlossgarten ein, abends gibt es ein Feuerwerk über Vaduz.
Essen und Trinken
Die Küche ähnelt der des benachbarten Vorarlberg und der Ostschweiz. Das Nationalgericht sind Käsknöpfle, kleine Spätzle mit würzigem Bergkäse und Röstzwiebeln, dazu wird traditionell Apfelmus gereicht. Ebenfalls typisch ist Ribel, ein krümeliger Maisgrieß, der früher als Arme-Leute-Essen galt und heute mit Kompott oder Käse serviert wird. Die Weine aus Vaduz, Balzers und Schaan sind meist Blauburgunder, die vor allem in den heimischen Restaurants getrunken werden.
Anreise und beste Reisezeit
Liechtenstein hat keinen eigenen Flughafen. Der nächstgelegene ist St. Gallen-Altenrhein (ACH), die meisten Reisenden landen jedoch in Zürich (ZRH) und fahren mit dem Zug in rund einer Stunde bis Sargans oder Buchs. Von dort bringen Linienbusse nach Vaduz. Aus Deutschland ist auch die Anreise über Feldkirch in Vorarlberg bequem, wo die Bahnlinie nach Buchs das Land durchquert. Innerhalb Liechtensteins verbindet ein dichtes Busnetz alle Gemeinden.
Die beste Reisezeit für Liechtenstein zum Wandern liegt zwischen Juni und Oktober, wenn in den Bergen kein Schnee mehr liegt und die Alpen bewirtschaftet sind. Im Rheintal sorgt der Föhn oft für milde Temperaturen von 20 bis 27 Grad im Sommer. Skifahrer kommen von Dezember bis März nach Malbun.
