Rennes entdecken: Fachwerk, Lices-Markt und Galettes
Reiseführer · redaktionellRennes ist die Hauptstadt der Bretagne und eine der jüngsten Städte Frankreichs – fast jeder vierte Einwohner ist Student. Zwischen schiefen Fachwerkhäusern, einem der größten Märkte des Landes und lebhaften Kneipenstraßen zeigt sich die Stadt bodenständig und lebensfroh. Eine Städtereise nach Rennes ist zudem ein idealer Auftakt für eine Reise durch die Bretagne.
Feuer, Parlament und Moderne
Rennes war seit dem Mittelalter ein Zentrum der Bretagne, ab 1561 Sitz des bretonischen Parlaments. 1720 zerstörte ein Großbrand, der sechs Tage wütete, große Teile der Holzstadt. Danach wurde das Zentrum mit Granit- und Kalksteinbauten im klassizistischen Stil neu errichtet, während im Norden die Fachwerkviertel erhalten blieben – so liegen heute zwei völlig verschiedene Stadtbilder nebeneinander. Im 19. Jahrhundert fand hier der zweite Prozess gegen Alfred Dreyfus statt. Heute ist Rennes eine Stadt der Universitäten, Digitalwirtschaft und der Autoindustrie.
Sehenswürdigkeiten in Rennes
Im Viertel Centre stehen rund um die Place des Lices, die Rue du Chapitre und die Rue Saint-Georges bunte Fachwerkhäuser aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, manche bedenklich schief. Das Parlament der Bretagne, ein Palast aus dem 17. Jahrhundert, beherbergt heute das Berufungsgericht; bei Führungen sieht man die prachtvollen, vergoldeten Säle. Die Kathedrale Saint-Pierre, das klassizistische Rathaus und die Oper bilden einen eleganten Platz. Der Thabor-Garten im Viertel Thabor-Saint-Hélier ist mit Rosengarten, Orangerie und Volieren einer der schönsten Parks Frankreichs. Das Musée des Beaux-Arts zeigt Werke von Rubens bis Picasso, und Les Champs Libres, ein Kulturzentrum von Christian de Portzamparc, vereint das Museum der Bretagne, eine Bibliothek und ein Planetarium.
Der Lices-Markt und bretonische Küche
Jeden Samstagmorgen findet auf der Place des Lices einer der größten Märkte Frankreichs statt, mit Hunderten Ständen unter freiem Himmel und in zwei Markthallen. Bauern aus der Umgebung verkaufen Käse, Gemüse, Austern aus Cancale und Fisch. Unbedingt probieren sollte man eine Galette-saucisse, eine Bratwurst in einem Buchweizenpfannkuchen, die als Fußball-Snack Kultstatus genießt. In den Crêperies der Stadt gibt es herzhafte Galettes aus Buchweizenmehl und süße Crêpes, dazu Cidre aus der Schale. Zum Nachtisch gehört ein Kouign-amann, ein Butterkuchen mit karamellisierter Kruste.
Ausgehen und Festivals
Die Rue Saint-Michel, im Volksmund „Rue de la Soif“, die Straße des Durstes, ist ganz den Kneipen gewidmet und am Wochenende voller Studenten. Im Dezember finden die Rencontres Trans Musicales statt, ein Festival, das schon vielen späteren Stars eine erste Bühne bot. Im Sommer gibt es mit „Les Tombées de la Nuit“ Theater und Kunst im öffentlichen Raum. Fußballfans pilgern ins Roazhon Park, das Stadion von Stade Rennais, wo an Spieltagen bretonische Fahnen wehen. Und an der Vilaine entlang führen Uferwege aus der Stadt hinaus ins Grüne.
Unterwegs und beste Reisezeit
Der Flughafen Rennes-Saint-Jacques (RNS) liegt rund zehn Kilometer südwestlich. Der TGV erreicht Paris in etwa eineinhalb Stunden. Zwei vollautomatische Metrolinien durchqueren die Stadt, die zweite wurde 2022 eröffnet. Beste Reisezeit ist der Sommer, Regen muss man aber immer einplanen. Ausflüge führen nach Saint-Malo, zum Mont-Saint-Michel und in den Wald von Brocéliande, das Reich der Artussage.











