Lille entdecken: Grand-Place, Braderie und flämisches Erbe
Reiseführer · redaktionellLille ist flämisch geprägt, französisch im Herzen und so nah an Belgien, dass man zum Bier über die Grenze radeln könnte. Rote Ziegel, verzierte Giebel und herzhafte Küche machen die Hauptstadt der Region Hauts-de-France zu einem lohnenden Ziel für eine Städtereise. Wer Lille besucht, entdeckt eine Stadt, die viel lebendiger ist als ihr früherer Ruf als Industriemetropole.
Sehenswürdigkeiten in Lille
Die Grand-Place, offiziell Place du Général-de-Gaulle, ist das Herz der Stadt, benannt nach dem hier geborenen General. Daneben steht die Vieille Bourse, die alte Börse aus dem 17. Jahrhundert, ein Meisterwerk flämischer Renaissance, in deren Innenhof Bouquinisten Bücher verkaufen und Schachspieler sitzen. Das Rathaus besitzt einen 104 Meter hohen Belfried, der zum UNESCO-Welterbe gehört und eine Aussichtsplattform bietet. Die Zitadelle, von Vauban im 17. Jahrhundert als fünfeckige Festung angelegt, wird bis heute militärisch genutzt, umgeben von einem großen Park. Die Kathedrale Notre-Dame-de-la-Treille, erst 1999 vollendet, überrascht mit einer Fassade aus dünnem Marmor, durch die das Licht schimmert.
Museen und Viertel
Das Palais des Beaux-Arts ist nach dem Louvre eine der größten Kunstsammlungen Frankreichs, mit Werken von Rubens, Goya und Delacroix sowie Reliefmodellen befestigter Städte. In Roubaix, nur wenige Tramminuten entfernt, zeigt La Piscine Kunst in einem ehemaligen Jugendstil-Schwimmbad. Vieux-Lille mit Kopfsteinpflaster, Boutiquen und Patisserien ist das charmanteste Viertel, während Wazemmes mit seinem großen Sonntagsmarkt multikulturell und lebhaft ist. Euralille, das moderne Geschäftsviertel rund um die TGV-Bahnhöfe, wurde von Rem Koolhaas geplant. Zur Stadt gehören auch die eingemeindeten Orte Lomme und Hellemmes.
Essen, Bier und Ausgehen
Die Küche des Nordens ist deftig: Carbonade flamande, in Bier geschmortes Rindfleisch, Potjevleesch, kaltes Fleisch in Aspik, Welsh, eine Art überbackenes Käsebrot mit Bier, und der stark riechende Käse Maroilles. Dazu trinkt man Bier aus regionalen Brauereien. In den Estaminets, traditionellen Wirtshäusern, isst man gemütlich und zu fairen Preisen. Zum Kaffee gibt es Gaufres, gefüllte Waffeln, deren berühmteste Adresse in Vieux-Lille liegt. Am ersten Septemberwochenende findet die Braderie de Lille statt, einer der größten Flohmärkte Europas mit Millionen Besuchern, bei dem traditionell Moules-frites gegessen werden – die leeren Muschelschalen werden vor den Restaurants zu Bergen aufgetürmt. Dank vieler Studenten ist das Nachtleben lebhaft. Die Rue Masséna und die Rue Solférino sind bekannt für Bars und Kneipen, Vieux-Lille für Cocktailbars und Weinlokale. Das Opernhaus und das Orchestre National de Lille bieten Kultur auf hohem Niveau.
Unterwegs und beste Reisezeit
Lille ist ein Knotenpunkt im Bahnverkehr: Paris ist in einer Stunde, Brüssel in rund 35 Minuten und London mit dem Eurostar in etwa eineinhalb Stunden erreichbar. Der Flughafen Lille-Lesquin (LIL) bedient vor allem Ziele in Frankreich und im Mittelmeerraum. Die VAL, eine der ersten fahrerlosen Metros der Welt, verbindet die Stadt mit den Vororten. Beste Reisezeit ist von Mai bis September; im Dezember lockt ein Weihnachtsmarkt mit Riesenrad auf der Grand-Place.











