Gibraltar entdecken: Der Felsen am Mittelmeer
Reiseführer · redaktionellEin Urlaub in Gibraltar ist meist kurz, aber eindrücklich: Auf knapp sieben Quadratkilometern drängen sich ein 426 Meter hoher Kalkfelsen, eine britisch geprägte Altstadt und ein Hafen an der Meerenge zwischen Europa und Afrika. Viele kommen als Tagesgäste von der Costa del Sol, doch eine Nacht lohnt sich, wenn die Ausflügler gegangen sind und die Lichter von Marokko über dem Wasser auftauchen.
Der Felsen und seine Natur
Der Rock of Gibraltar beherrscht alles. Ein großer Teil davon ist als Upper Rock Nature Reserve geschützt, ein Netz aus Wegen, Treppen und Aussichtspunkten mit Blick auf die Bucht von Algeciras und bei klarem Wetter bis zum Rifgebirge. Bekannt sind die Berberaffen, die einzigen frei lebenden Affen Europas, die vor allem rund um die Bergstation der Seilbahn und am Apes' Den zu sehen sind. Füttern ist verboten, und Taschen sollte man gut festhalten. Die St. Michael's Cave, eine Tropfsteinhöhle, wird für Konzerte genutzt. Im Frühjahr und Herbst ziehen Tausende Greifvögel über die Meerenge, und Delfine sind von Booten aus fast das ganze Jahr zu beobachten.
Sehenswürdigkeiten in Gibraltar
Die Main Street ist die Lebensader der Stadt, mit roten Briefkästen, Pubs, Fish and Chips und zollfreien Geschäften. Am Ende liegt der Casemates Square, ein ehemaliger Exerzierplatz, heute voller Cafés. Die Great Siege Tunnels wurden im 18. Jahrhundert während der Großen Belagerung in den Fels gesprengt, im Zweiten Weltkrieg kamen kilometerlange weitere Stollen hinzu. Ganz im Süden, am Europa Point, stehen ein Leuchtturm und die Ibrahim-al-Ibrahim-Moschee, mit Blick hinüber nach Afrika. Auf der Ostseite liegt Catalan Bay, ein früheres Fischerdorf mit kleinem Strand unterhalb der steilen Felswand. Der Gorham's Cave Complex an der Ostküste, in dem einst Neandertaler lebten, ist UNESCO-Welterbe und nur bei Führungen zugänglich.
Geschichte und Alltag
Seit 1713 ist Gibraltar britisch, und Spanien erhebt bis heute Anspruch darauf. Die Bewohner haben sich in Abstimmungen jedoch stets klar für den Verbleib beim Vereinigten Königreich ausgesprochen. Entstanden ist eine eigene Mischkultur aus britischen, genuesischen, maltesischen, sephardischen und andalusischen Einflüssen. Im Alltag sprechen viele Llanito, ein Gemisch aus Englisch und Spanisch, das mitten im Satz die Sprache wechselt.
Essen und Trinken
Auf den Tellern zeigt sich die Mischung deutlich. Neben englischem Frühstück und Pies gibt es Calentita, einen Fladen aus Kichererbsenmehl, der als Nationalgericht gilt, und Rosto, Nudeln in Tomatensoße mit Fleisch, ein Erbe genuesischer Einwanderer. In den Bars am Ocean Village werden Tapas gegessen, im Pub Ale getrunken.
Anreise und beste Reisezeit
Gibraltar hat einen eigenen Flughafen, dessen Landebahn lange von der einzigen Straße zur Grenze gekreuzt wurde. Autos fahren heute durch einen Tunnel, Fußgänger überqueren die Piste aber weiterhin, sobald die Schranken offen sind. Flüge gehen vor allem nach London und Manchester. Aus Deutschland fliegt man meist nach Málaga und fährt in etwa eineinhalb Stunden weiter nach La Línea, von wo aus man die Grenze zu Fuß überquert. Die Regeln für den Grenzübertritt werden nach dem Brexit gerade neu geordnet, daher sollte man sich vor der Reise informieren. Gezahlt wird in Pfund, Euro werden oft akzeptiert, aber zu ungünstigem Kurs. Die beste Reisezeit für Gibraltar sind April bis Juni sowie September und Oktober bei 20 bis 26 Grad. Im Hochsommer wird es heiß, und der Levante-Wind legt manchmal eine Wolkenhaube über den Felsen.

